Wann einsteigen?

vom 03.05.2004

Angesichts ungewisser Konjunkturaussichten klaffen die Meinungen von Laien und Profis hinsichtlich der weiteren Entwicklungen an den Aktienmärkten stark auseinander.

Die Frage lautet einmal mehr: „Ist jetzt ein guter Zeitpunkt zur Investition, oder soll man besser noch warten?“ Im Folgenden wollen wir auf diese Überlegung nur in der Weise indirekt eingehen, als wir darauf hinweisen, dass es auch einen Kompromiss in Form so genannter „Kombi-Pläne“ gibt.

Dieses immer häufiger von Investmentgesellschaften und Depot-(Plattform)-Banken angebotene Anlage-Instrument bietet die Möglichkeit organisierter Umschichtungen zwischen verschiedenen Fonds.

Beispiel: Ein Anleger ist von der langfristigen Wachstumsstory „Chinesischer Markt“ überzeugt, und möchte in einen entsprechenden Länderfonds investieren. Gemessen an seinem gesamten Depot sieht er dafür insgesamt 5.000 Euro vor. Da er den chinesischen Aktien-Markt kurzfristig für überhitzt hält, will er den Zielbetrag jetzt noch nicht ganz investieren. Nun stellt sich für ihn die Frage des Timings.

Obwohl es in der Natur des Anlegers liegt, den optimalen Kaufzeitpunkt (möglichst tiefer Kurs) treffen zu wollen, wird dieser statistisch in der überwiegenden Zahl der Fälle verpasst. Ein Lösungsansatz liegt in der regelmäßigen verteilten Einzahlung in die Zielfonds.

Zu diesem Zweck könnte der Anleger beispielsweise 2.000 Euro direkt in den chinesischen Länderfonds einzahlen und den Rest in einen Geldmarktfonds. Danach gibt er z.B. die Anweisung die im Geldmarktfonds verbliebenen 3.000 Euro in sechs Raten zu je 500 Euro monatlich in den Chinafonds umzuschichten. Auf diesem Weg wird er noch sechsmal zu unterschiedlichen Zeitpunkten und Kursen Anteile erwerben und dabei den Cost-Average-Effekt nutzen. Der Anleger verteilt so das Risiko des Zeitpunkts seiner Anlageentscheidung auf einen Zeitraum.

Dabei muß es nicht zwangsläufig bei dem zunächst beschlossenen Umschichtungsmodus bleiben. Der Anleger hat sehr wohl die Möglichkeit, die Umschichtungen auch auszusetzen oder die Höhe der Raten zu verändern. Sollte er beispielsweise nach einer scharfen Korrektur des Hangseng Index alles investieren wollen, kann er diese Anweisung jederzeit geben.

Sahen einzelne Kombiplan-Angebote in der Vergangenheit ausschließlich Geldmarktfonds als Basis für die Umschichtungen vor, muß dies immer häufiger nicht mehr zwingend so sein. Das Grundprinzip ist nun auch auf andere Fonds adaptiert.

Fazit: Die Kombi-Pläne empfehlen sich in diesem Zusammenhang für den schrittweise vorzunehmenden Aufbau einzelner Positionen und auch für Umstrukturierungen innerhalb des Depots. Beispielsweise dann, wenn aus weniger schwankungsstarken Fonds in volatilere investiert werden soll, oder Gewichtungen der Allokation zwischen Renten-, Aktien- und Immobilienfonds verändert werden müssen.

Da Anleger häufig dazu neigen, von einem Extrem in ein anderes zu verfallen, sei noch angemerkt, dass nicht jede Investition über Kombipläne erfolgen muss, und die Stückelungen auch nicht zu klein sein sollten. Dauert die Investitionsphase zu lange, wird man sich unter Umständen später darüber ärgern, in der Boomphase des Ziel-Marktes unterinvestiert gewesen zu sein.

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