Dividenden-Fonds

vom 01.03.2004

Aktionäre sind dumm und unverschämt. Dumm, weil sie mir ihr Geld überlassen, und unverschämt, weil sie auch noch „Dividenden“ dafür haben wollen“. Carl Fürstenberg deutscher Banker

In den nächsten Wochen werden die 30 DAX-Unternehmen Dividenden in Höhe von zehn Milliarden Euro an ihre Aktionäre auszahlen. Hätte man von 1970 bis heute 100 Euro in den Index investiert ohne die Dividenden zu berücksichtigen, wären daraus 573 Euro geworden. Rechnet man die Dividenden hinzu, kommt man auf 1.644,8 Euro. Wie sagte Albert Einstein: „Der Zinseszins-Effekt ist die größte mathematische Entdeckung aller Zeiten“.

Von vielen Anlegern neben den Kursgewinnen immer noch als eine Art „langweiliger Zusatzverdienst“ empfunden, hat die Dividende als Bestandteil der Rendite und auch als Selektionskriterium für Aktien in den letzten Jahren wieder in der allgemeinen Wahrnehmung an Bedeutung gewonnen.

Eine langfristige Aktienrendite von etwa 8-10% p.a. unterstellt, entfällt bei einer durchschnittlichen Dividendenrendite von derzeit etwa 4% annähernd die Hälfte der mit Aktien zu verdienenden Gelder auf die Dividenden. Der amerikanische Index S&P500 weist beispielsweise für den Zeitraum von 1926 bis 2002 im Durchschnitt eine Rendite von 11 Prozent p.a. auf. Die Dividenden machten dabei annähernd fünf Prozent aus.

Vor dem Hintergrund der aktuell historisch niedrigen Zinsen werfen allein die Ausschüttungen der Aktien oft mehr ab, als sich mit einem Großteil der Anleihen verdienen lässt. Für eine vergleichbare Rendite von 4% (Dividendendurchschnitt) müssten Gelder bis zu 10 Jahre festgelegt werden. Dazu kommen noch die Kurssteigerungen, die langfristig unbestritten attraktiv sind. Obendrein kommt den Dividenden im Zusammenhang mit dem Halbeinkünfteverfahren noch eine steuerliche Begünstigung gegenüber Zinspapieren zu.

Die Berechnung der Dividendenrendite (Aktienkurs geteilt durch Dividende) erklärt, warum die Bedeutung der Dividende in der Börsenhausse Ende der 90er Jahre in den Hintergrund getreten war.

Die Kurse waren wesentlich stärker gestiegen, als die Gewinne der Unternehmen. Auf diese Weise verlagerte sich das Verhältnis zwischen Kursgewinnen und Ausschüttungen zu Ungunsten der Dividenden und liess sie als „Zubrot“ erscheinen. Der Crash relativierte das Verhältnis entsprechend.

Neben der Funktion als Ertragsbringer wird die Dividendenrendite auch als Auswahlkriterium von Aktien gesehen. Ein bekannter Fondsmanager bringt es auf den Punkt: Eine hohe Dividendenrendite sendet deutliche Signale, dass ein Unternehmen genügend liquide Mittel generiert, um sie an die Anteilsinhaber auszuschütten“, von einemSicherheitspolsterspricht eine Kollegin.

Frei übersetzt, nur wer Cash hat, kann Zahlen, und wer Cash hat, dem geht es gut! Dividendenstärke als Indiz für Unternehmensstärke.

In diesem Zusammenhang darf die Dividende einer Aktiengesellschaft nicht nur absolut betrachtet werden. Sie muss im Verhältnis zu der von anderen Unternehmen gezahlten gesehen werden. Zudem ist die Stetigkeit ihrer Höhe über mehrere Jahre zu analysieren. Nur so kann eine Strategie, die sich an substanzstarken Titeln (gemessen an der Dividendenrendite) orientiert, den gewünschten Schutz vor Pleitefirmen und Kursverlusten bieten.

Dass diese Vorgehensweise in letzter Konsequenz nicht vor einzelnen Fehler schützen kann, versteht sich von selbst. Da bei einer Verschlechterung der Ertragslage eines Unternehmens mit einer Kürzung der Dividende und Kursverlusten gerechnet werden muss, versuchen Analysten und Fondsmanager Indizien für derartige Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen.

Dem hohe Dividenden zahlenden niederländischen Nahrungsmittelkonzern Ahold saßen einige dieser Fonds trotzdem auf. Vor Bilanzmanipulationen waren auch sie nicht gefeit.

Während die Dividendenrendite für die Einen nur ein Kriterium unter vielen in ihrer Aktienselektion darstellt, haben sie Andere zum zentralen Aspekt ihres Managementansatz erhoben. Seit einigen Jahren gibt es in der Konsequenz Aktienfonds, die „Dividendenorientierung“ schon im Namen tragen und ihre Titel überwiegend unter diesem Gesichtspunkt aussuchen.

In der Phase fallender Kurse hat sich dieser Ansatz ausgezahlt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Aktienfonds, die prozyklisch an Wachstumswerten ausgerichtet waren, haben sich die „Dividenden-Fonds“ trotz hoher Investitionsgrade vergleichsweise gut halten, zum Teil sogar beachtliche Wertzuwächse verzeichnen können.

Fazit: In der Baisse haben sich die Dividenden-Fonds bewährt. In den letzten Monaten haben sie vergleichsweise geschwächelt, da vor allem bei Technologiewerten große Bewertungslücken geschlossen wurden. Im Fall eines Bullenmarktes neigen die Titel mit hoher Dividendenrendite zur zwischenzeitlichen Underperformance gemessen an den Indizes. Diesem Umstand steht der Wunsch der Anleger im Wege, an den starken Kursbewegungen einer Rallye partizipieren zu wollen.

Geht man aber davon aus, dass die in den letzten Monaten gesehene Kursrallye der zyklischen Wachstumswerte zunächst einmal eine Unterbrechung findet, könnte die Stunde solider Firmen wieder schlagen, die zum Teil hohe Dividenden zahlen. Nicht selten kommen sie aus Branchen wie Banken, der Pharmaindustrie oder den Versorgern.

Es bleibt festzuhalten, dass man mit der Dividendenstrategie langfristig erfolgreich ist, eine alleinige Vorgehensweise dieser Art jedoch ebenfalls niemanden glücklich macht. Aus diesem Grund sind auch die Manager der Dividenden-Fonds bemüht, sich keineswegs ausschließlich auf diese Strategie reduzieren zu lassen.

Die zwischenzeitliche Beimischung derartiger Produkte in die Aktienfondsdepots erscheint angesichts ungewisser mittelfristiger Marktentwicklungen aktuell durchaus angeraten. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass die Strategie auch in vielen Fonds Anwendung findet, die sie nicht im Namen tragen. Hier kommt es auf den Blick in das Depot und Aussagen des Managements an.

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