Strategie 2002 / 2003

vom 10.12.2002

Was ist also nun zu tun? Vogel-Strauss-Politik, Kopf in den Sand? Hektischer Aktionismus? Wir empfehlen Ruhe bewahren, besonnen nachdenken und handeln!

Das bevorstehende Jahresende ist immer willkommener Anlass zur Zäsur, Auswertung und Neuausrichtung. In diesem Jahr vor dem Hintergrund der diskutierten Ereignisse mehr denn je.

Prüfen Sie zunächst einmal in einem ersten Schritt, ob Sie nicht noch dem Staat etwas nehmen können, wo er doch demnächst noch stärker in Ihren Taschen "wildern " will. Beispielsweise Förderungen, die Sie noch nicht in Anspruch genommen haben, die Ihnen aber zustehen. Möglicher Weise zählen Sie zu der Minderheit der Bevölkerung, für die sich ein Riestervertrag tatsächlich rechnen kann. Schauen Sie, ob Sie hinsichtlich der Arbeitnehmersparzulage gefördert werden oder Vermögenswirksame Leistungen (VL) vielleicht sogar zusätzlich von Ihrem Arbeitgeber erhalten könnten, die Sie derzeit noch verschenken. In beiden Fällen kann die Förderung noch für das ganze Jahr rückwirkend beantragt werden.

Veräußern Sie besser keine Fondsanteile, die seit länger als einem Jahr Verluste aufweisen, und die Sie später unter Umständen noch gegen zu realisierende Kursgewinne verrechnen können. So oder so gilt: Investmentfonds behalten Aspekte, die sie auch weiterhin zu den interessantesten Formen der Kapitalanlage zählen lassen.

Das Wichtigste aber: Nutzen Sie die Zeit bis zur Gesetzes-Entscheidung zur Analyse Ihrer Depots und wägen Sie den Ist-Zustand gegen ihre weitere Lebensplanung ab.

Welche kapitalbildenden Produkte haben Sie? Wie groß ist das Volumen? Wie sieht ihre Vermögensstruktur aus? Ordnen Sie nach Risikoklassen, Assetklassen, Anlagethemen und Regionen. Wieviel sparen Sie monatlich? Wieviel können sie davon fest, wieviel flexibel sparen?Ein besonderer Augenmerk sollte auf zu erwartende zukünftige Zahlungsströme auf der Einnahmen- und der Ausgabenseite gerichtet werden.

Die daraus abzuleitenden Folgerungen sind Grundlage Ihrer weiteren Entscheidungen, die Sie entweder schon vor dem Jahresende treffen können (siehe VL, Riester-Rente, Beteiligungen etc.), oder die Sie umgehend bei Vorliegen klarer Indizien für die zukünftige steuerliche Behandlung von Veräusserungsgewinnen treffen sollten.

Bei Ihren Gedanken sollten Sie zudem den Überlegungen der "Rürup-Kommission" Beachtung schenken. Bei der Reform der Altersvorsorge wird es nach unserer Einschätzung nicht nur um die Neuordnung der staatlichen Altersvorsorge, sondern auch um die der privaten gehen. Denn: Spätestens wenn die Veräusserungsgewinne der Aktien und Investmentfonds besteuert werden, ist nicht mehr einzusehen, warum der Inhaber beispielsweise einer fondsgebundenen Lebensversicherung hinsichtlich einer einheitlichen Steuersystematik und -gerechtigkeit "ungeschoren" davonkommen sollte. An diesem Punkt dürfte auch die Kommission ansetzen. Am Ende könnte z.B. die Besteuerung von Neu-Verträgen bei Lebensversicherungen im allgemeinen und fondsgebundenen im speziellen stehen. Zumindest dann, wenn Sie ein Kapitalwahlrecht am Ende der Laufzeit beinhalten und nicht auf eine Rente hinauslaufen, vor dem 60. Lebensjahr fällig werden, Teilauszahlungen vorsehen oder beliehen werden können.

Von daher sollten sich Anleger, die mit dem Gedanken spielen langfrisitig zu sparen und eine fondsgebundene Lebensversicherung abzuschließen, lieber früher als später dazu durchringen. Altverträge sollten unter "normalen Umständen" Vertrauensschutz genießen und von staatlichen Zugriffen verschont bleiben.

Apropos Vogel-Strauss-Politik: "wer heute den Kopf in den Sand steckt, wird schon morgen mit den Zähnen knirschen"!

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