Demografie-Fonds

Marketing oder Megatrend?

Die Weltbevölkerung wächst. Bis auf Weiteres um etwa 78 Millionen Menschen pro Jahr. Die UN schätzen die aktuelle Population auf rund 7 Mrd. und gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050, dem erwarteten Scheitelpunkt, weitere 2,2 Mrd. hinzukommen werden. 2050, so wird heute prognostiziert, werden dann rund 7,9 Mrd. Menschen in den Entwicklungsländern leben, 1,2 Mrd. in den heutigen Industrieländern. Die aktuell weltweit rund 670 Mio. Menschen umfassende Gruppe der Übersechzigjährigen wird Erwartungen zufolge in den kommenden 35 Jahren auf über 2 Mrd. anschwellen. Kapazitätsausweitungen, beispielsweise in der Nahrungsmittelindustrie, stehen ebenso auf der Agenda, wie Effizienzsteigerungen, ein Ressourcen- schonender Umgang mit Rohstoffen, der Ausbau und die Modernisierung der erforderlichen Infrastruktur, insbesondere mit Blick auf Urbanisierungstendenzen und den Energiebedarf; von der medizinischen Versorgung und sich änderndem Lifestyle ganz zu schweigen.

Vor diesem Hintergrund kann es nicht verwundern, dass der Themenkreis Demografie als einer der Megatrends und Wachstumstreiber schlechthin gilt. Eine kleine Gruppe von Demografie-Fonds, deren erste Vertreter nunmehr eine fünfjährige Historie vorweisen können, führt den Begriff sogar im Namen, rühmt sich, dem Thema besondere Aufmerksamkeit zu schenken und ihm enger verbunden zu sein als die breiter investierenden Fonds. Ist dem wirklich so? Und wenn ja, wie ist ihnen diese Spezialisierung bekommen?

Als Pioniere der Demografie-Fonds dürfen sich die Brüder Guido, Marcel und Stephan Lingnau ausBerlin mit ihrer Firma Guliver Finanzberatung verstehen. Guido Lingnau managt schon seit 2004 den „Guliver Demografie Wachstum“ als einen flexibel, grundsätzlich vor allem in Aktienfonds investierenden Dachfonds. Dabei steht anders als bei den jüngeren Demografiefonds nicht die Branchen- und Einzeltitelauswahl im Vordergrund, sondern die Entscheidung für die richtigen Aktienmärkte zur richtigen Zeit, was maßgeblich durch die Bevölkerungsstruktur dieser Volkswirtschaften vorgegeben werde. Im Ergebnis werden die Emerging Markets in Summe deutlich höher gewichtet (über 60 %), während US-Aktien im Portfolio fast nicht existent sind. Seit 2007 gibt es ergänzend mit Schwerpunkt Renten den „Guliver Demografie Sicherheit„.

Auch Fidelity bietet zwei Dachfonds unter dem Label „Demografiefonds“ an und packt seit 2009 jeweils eigene, aktive gemanagte Fonds und ETFs hinein. Der „ausgewogene“ Dachfonds (WKN: A0RHGA) investiert dabei regelmäßig bis zu 50 % in Aktienfonds, der „konservative“ (WKN: A0RHF9) höchstens 20 Prozent. Die Performance ist nicht spektakulär, beim „ausgewogenen“ Fonds leicht überdurchschnittlich. Trotzdem kommen beide Fonds zusammen nur auf knapp 30 Mio. Euro Fondsvolumen.

Wenige Monate älter ist der AGIF Allianz Global Equity Unconstrained A EUR, ein knapp 7 Mio. Eurokleiner globaler Aktienfonds. Das Portfolio ist breit diversifiziert, rund 25 % entfallen auf Emerging Markets. Schwerpunkte sind aber eher US-(Wachstums-)Aktien aus den Branchen Gesundheitswesen und nichtzyklischen Konsumgütern. Die Performance zeigt wenig Auffälligkeiten gegenüber einer globalen Benchmark.

Der erst im November 2010 gestartete und immerhin fast 30 Mio. Dollar große Schroder ISF Global Sustainable Growth EUR Hed A Dis (ehemals: Schroder ISF Global Demographic Opportunities EUR Hed A Dis) ist ein globaler Aktienfonds und legte unter Manager Charles Somers einen guten Start hin. Auch hier entfallen aktuell rund 25 % auf die Emerging Markets. Und in der Branchenallokation ist ebenfalls das Gesundheitswesen mit rund 25 % am höchsten gewichtet, gefolgt von Finanzdienstleistern im weiten Sinne mit rund 23 %. US-Aktien sind geringer gewichtet als im Allianz-Fonds und die Branchenallokation erscheint etwas akzentuierter.

Die Spezialisierung von Fonds auf den Themenkreis Demografie erscheint nur bedingt sinnvoll! Schließlich sind die Nutznießer der demografischen Entwicklung keine einzelnen klar abzugrenzenden Branchen, die ein eindeutig definierbares Anlageuniversum verkörpern, in das man investieren könnte. Vielmehr stellen sie einen schwammigen, alles überlagernden Multi-Themenkomplex dar, dem sich mehr oder weniger jeder gewünschte Titel zurechnen lässt. Grundsätzlich darf die Bedeutung des demografischen Wandels als so nachhaltig eingeschätzt werden, dass man von jedem zukunftsorientierten Fondsmanager erwarten darf, ihm besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Unser Fazit für Demografie-Fonds

Die Etikettierung einzelner Fonds mit der Begrifflichkeit „Demografie“ dürfte vor diesem Hintergrund überwiegend von Marketing-Überlegungen getrieben sein. Bislang scheinen diese Vertriebs-Stories aber noch nicht einmal dazu geeignet, mehr Investoren für Fonds zu begeistern. Eine Outperformance erklärt sich im Einzelfall eher aus anderen portfoliospezifischen Gründen wie der guten Einzeltitelselektion oder dem glücklichen Timing.

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