Gold: eine Glaubensfrage

Am Golde hängt, zum Gold drängt …“ es längst nicht mehr alle. An der Frage, ob Gold ein Muss fürs Vermögen ist, wohlmöglich eines der wichtigsten Assets überhaupt, oder ob die Goldhausse schon 2011 ihren Zenit überschritten hat, scheiden sich die Geister. Manche Gold-Bulle scheint fast dogmatisch an seinen Gold-Investments festzuhalten. Jede Seite wirft der anderen vor, die Realitäten nicht objektiv wahrzunehmen. Ist es noch sinnvoll, in Gold zu investieren? Oder haben die Gold-Optimisten eine „Gold-Macke“?

Der Goldpreis hat sich von seinem Rekordhoch bei 1.920 Dollar im Spätsommer 2011 weit entfernt: Seit anderthalb Jahren pendelt der Preis für eine Feinunze zwischen 1.520 und 1.800 Dollar. Der untere Rand dieses Preisbandes wurde zuletzt im Mai vergangenen Jahres erreicht, der obere Rand im vergangenen Oktober. Seitdem führte die Pendelbewegung wieder in Richtung der Unterstützung 1.520 / 1.560 Dollar. Gerade dieser Abwärtstrend der jüngsten sechs Monate hat die Zuversicht etlicher Gold-Bullen erschüttert: Es ist die längste Abwärtsbewegung seit Anfang 1997. Viele Experten senkten jüngst ihre Prognosen, manche wechselten gar vom Lager der Gold-Befürworter in jenes der Gold-Bären. Goldman Sachs senkte die Prognose von 1.750 Dollar auf 1.450 Dollar. Damit würde die stark beachtete Unterstützung bei 1.520 Dollar verletzt, was weitere Verkäufe nach sich ziehen könnte. Auch andere Marktbeobachter erwarten einen Rückgang unter 1.500 Dollar.

Zur Begründung wird auf die Erholung der US-Konjunktur und die Beruhigung der Schuldenkrise in der Euro-Zone verwiesen. Weder der Wahlausgang in Italien noch das Scheitern der Haushaltsverhandlungen in den USA hätten zu stärkeren Goldkäufen geführt. Diese Ereignisse hätten allenfalls die Talfahrt etwas gebremst, erläutern Rohstoff-Händler. Den grundsätzlichen Rückzug von Investoren aus dem Edelmetall haben sie nicht aufgehalten, ablesbar an den Abflüssen aus dem New Yorker SPDR Gold Trust – dem größten börsennotierten Gold-Fonds der Welt. Tatsächlich verzeichnete dieser im Februar den größten Rückgang seit 2004.

Marktbeobachter machen Anzeichen für einen Rückzug strategischer Investoren aus. Beachtung verdiene beispielsweise der Umstand, dass zu denen, die ihre Anteile am SPDR-Fund jüngst senkten, kein Geringerer als die US-Investorenlegende George Soros zählte. Im vierten Quartal 2012 trennte er sich von mehr als der Hälfte seiner Gold-SPDR-Anteile. Schon 2011, dem Jahr des historischen Allzeit-Hochs beim Gold, hatte Soros die Goldpreisentwicklung „die ultimative Blase“ genannt.

Die Rolle der Notenbanken wird in diesen Zusammenhang seit jeher diskutiert. Verschwörungstheorien unterstellen, dass westliche Notenbanken den Goldpreis nach unten drücken wollten – zumindest aber einen weiteren Anstieg verhinderten. Tatsächlich sind die Notenbanken aber nach übereinstimmender Meinung ernst zu nehmender Beobachter der Hauptgrund für einen steigenden Goldpreis: In den etablierten Volkswirtschaften pumpen sie mehr Papiergeld als je zuvor in die Wirtschaft, was den Goldpreis (als Verhältnis von Geldmenge zu Goldmenge) fördert. Zudem steht die Mehrheit der Notenbanken auf der Käuferseite. Vor allem Zentralbanken aus den Schwellenländern nutzen Gold zur Diversifizierung ihrer Währungsreserven. Die DZ Bank rechnete jüngst vor, dass die Zentralbanken 2012 mit 535 Tonnen soviel Gold wie seit 1964 nicht mehr gekauft haben. Aber sogar das kann man als Hinweis auf eher schwächere Goldpreise, nämlich als Kontraindikator deuten: Die Notenbanken bewiesen meist schlechtes Timing: Sie reduzierten ihre Goldbestände zu niedrigen Preisen und stockten sie zu hohen auf.

Verlierer der Entwicklung sind bislang vor allem Goldminen-Fonds. Als der Goldpreis im Sommer 2011 auf sein Allzeithoch stieg, war von Hebelwirkung bei Goldminen-Aktien nichts zu sehen. Auf die nachfolgende Konsolidierung des Goldpreises reagierten die Aktienkurse dann aber wieder. Die Aktien der großen Minenkonzerne wie Barrick Gold, Newmont oder Goldcorp Gold haben seither mehr als ein Drittel an Wert verloren. Noch schlimmer war der Kursniedergang bei kleineren Goldminen und Explorationsunternehmen. Kleiner Trost: Zu den Investoren, die sich mit Goldaktien die Finger verbrannt haben, gehört John Paulson. Der einstige Star der Hedge-Fonds-Branche erlitt zwei Jahre in Folge hohe Verluste, nicht zuletzt aufgrund seiner Gold-Investments. Aber auch Publikumsfonds wie der BlackRock Global Funds World Gold Fund A2 USD von BlackRock haben rund ein Drittel ihres Anteilswertes verloren. Aufgrund seiner Größe investiert der Fonds überwiegend in die Standardwerte der Minenkonzerne. Fonds, die stärker auf kleinere Minen und Explorationsfirmen setzen, wie der Craton Capital Precious Metal Fund A verloren sogar annähernd die Hälfte ihres Anteilswertes.

Gold ist eine Glaubensfrage! Wenn man nicht die extremen Ansichten einer Seite teilt, empfiehlt sich ein Mittelweg: Goldfonds bzw. Gold Aktienfonds sind billiger geworden und machen als antizyklische Depotbeimischung von rund 10 Prozent eines Fondsdepots Sinn.

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