Dachfonds - Anspruch und Wirklichkeit

vom 02.08.2004

Mit dem III. Finanzmarktförderungsgesetz hat der Gesetzgeber vor einigen Jahren die Rahmenbedingungen zur Konzeption und zum Vertrieb von Dachfonds in Deutschland geschaffen. Sie investieren nicht direkt in Aktien, Renten, Immobilien und andere Anlageklassen, sondern in andere Investmentfonds.

Um neuen bitteren Erfahrungen vorzubeugen, wie sie deutsche Anleger schon einmal Ende der 60er Jahre mit der IOS (International Overseas Services) und ihrem FOF (Fund of Funds) sammeln durften, sind allerdings im Zusammenhang mit der „Erlaubnis“ zur Konzeption und zum Vertrieb konkrete Auflagen ausgesprochen worden, an die sich das Management halten muss.

Dazu gehört z.B. das Verbot, in andere Dachfonds investieren zu dürfen. Nur so kann das „Kaskadenphänomen“ vermieden werden, das seinerzeit eines der Hauptprobleme des FOF darstellte. Weitere Auflagen regeln die maximale Höhe der Beteiligung an anderen Fonds, die Kosten und vieles mehr. So dürfen Dachfonds beispielsweise nicht mehr als 20% ihrer Mittel in einen Zielfonds investieren und dabei gleichzeitig nicht mehr als 10% des Zielfonds erwerben.

Beim Dachfonds fallen logischerweise auf zwei Ebenen Gebühren an. Zum einen beim Dachfonds selbst, zum anderen auf der Ebene der Fonds, in die er investiert. Daher müssen im Rechenschaftsbericht sämtliche Ausgabeaufschläge, Rücknahmeabschläge und Verwaltungsgebühren angegeben werden, die der Dachfonds gezahlt hat. Außerdem muss im Verkaufsprospekt des Dachfonds ein expliziter Hinweis auf die doppelte Gebührenbelastung erfolgen.

Grundsätzlich gibt es einige Argumente für Dachfonds. So muss z.B. die steuerfreie Realisierung von Kursgewinnen innerhalb der Spekulationsfrist auf der Dachfondsebene als klarer Vorteil gegenüber Investments der Anleger in direkt investierende Fonds gesehen werden. Allerdings muss man sich gerade in diesem Zusammenhang fragen, warum in der Vergangenheit vergleichsweise wenige Dachfonds diese Stärke ausgespielt haben und statt dessen überwiegend Buy-and-Hold-Strategien verfolgten.

Ein weiteres Argument für Dachfonds könnte man in ihrem grundsätzlich vermögensverwaltenden Charakter sehen, der jedoch keineswegs zwingend vorausgesetzt werden darf. Vor diesem Hintergrund könnte man aktive Über- und Untergewichtungen von Fonds im Aufgabenbereich des Dachfondsmanagers sehen. Die Praxis zeigt jedoch, dass vergleichsweise wenige Dachfonds ein aktives Management von Anlageklassen, Regionen, Branchen und Zielfonds verfolgen. Überdies ist eine zunehmende Spezialisierung bei vielen Dachfonds zu beobachten, die mit dem Vermögensverwaltungsgedanken wohl kaum zu vereinbaren ist.

Andere Argumente für einen Dachfonds müssen mehr als kritisch hinterfragt werden. So ist beispielsweise immer wieder von einer zusätzlichen Risikostreuung die Rede. Die darf jedoch angesichts der Erkenntnisse der Portfoliotheorie bezweifelt werden. Ab einer gewissen Streuung wird keine zusätzliche Diversifizierung mehr erreicht. Vielmehr erhöht sich, gerade bei Dachfonds, wieder die Wahrscheinlichkeit der Bildung von Klumpenrisiken. Will sagen, mit zunehmender Zahl der Fonds im Portfolio wächst die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Titel in mehreren Fonds vertreten sind.

Gegen die Dachfonds sprechen unter anderem ihre Kostenstrukturen, wobei die Summe der Gebühren grundsätzlich im Verhältnis zum Ertrag gesehen werden muss. Was unter dem Strich an Rendite übrig bleibt, entscheidet über den Erfolg!

Ein Vergleich der Dachfonds ist generell angeraten, da Ergebnisse, wie auch Kosten und Strategien erheblich differieren! Dachfonds ist eben, was man draus macht! Wo der eine Manager Indizes in Regionen und Branchen zerlegt und mittels spezialisierter Zielfonds gleichsam wieder zusammensetzt, sind andere aktive „Market-Timer“ und wieder andere „Trendfolger“. Hinsichtlich der Kosten sollten vor allem Erfolgsbeteiligungsmodelle (z.B. bei Outperformance einer Benchmark, oder bei Überschreitung einer Hürdenrendite) genau betrachtet werden.

Aktuell zeichnet sich bei den Dachfonds inzwischen ein neuer Trend ab. Die OGAW III Richtlinie in Brüssel hat den Weg für sogenannte Super-OGAW (Superfonds) geebnet. Die Superfonds dürfen sowohl in Fonds, als auch direkt in andere Wertpapiere investieren. Diese zusätzliche Flexibilität erschließen sich gerade mehrere Dachfondsmanager und bauen ihre Produkte entsprechend um. Neben der Möglichkeit auch direkt investieren zu dürfen, können in den Superfonds darüberhinaus auch Derivate eingesetzt und die Kassenhaltung der Fonds in Krisenzeiten frei gestaltet werden.

Fazit: Dachfonds sind für Anleger immer dann interessant, wenn das Management für eine berechenbare Strategie steht, die zu den eigenen Zielen und Anforderungen passt, wenn durch aktives Fondspicking ein wirklicher Mehrwert geboten wird und die Kostenstruktur vertretbar bleibt. Wir haben den Eindruck, dass die Dachfondsbranche in den letzten beiden Jahren viel dazugelernt hat, was sich unter anderem an den relativen Wertentwicklungen und auch an zahlreichen Strategieänderungen bestehender und neuer Produkte ablesen lässt. Um es klar zu sagen: es gibt immer noch genug Dachfonds für die Rubrik „Fonds die die Welt nicht braucht“, aber der Durchschnitt schneidet heute schon besser ab, als noch vor einigen Jahren. Zielgerichtet ausgewählte Produkte können Anlegern und Beratern Teile ihrer Vermögensverwaltungsaufgaben abnehmen und somit interessante Portfoliobausteine darstellen. Ein Dachfonds gehört nicht zwingend in ein Depot, ist aber auch kein „Teufelswerk“. Was die Dachfondsmanager mit ihren neu gewonnenen Freiheiten anfangen, bleibt abzuwarten.

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