Pharma - Healh Care - Biotech

vom 01.07.2004

Neben Rohstoff- und Technologieaktien stellt die Pharma-Health-Care-Branche den wohl am ehesten zu separierenden Sektor des weltweiten Wirtschaftslebens dar.

Gemessen am MSCI World Index repräsentiert der Bereich „Pharmaceuticals“ etwa acht Prozent. Geografisch betrachtet ist der überwiegende Teil der dem Sektor zuzuordnenden Unternehmen in den USA ansässig. Ein Umstand, dem im Fall von Investitionen in diese Branche hinsichtlich eventueller Währungsrisiken besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Will man das Health Care Universum in seine Unterbereiche gliedern, entfallen auf den klassischen Pharmabereich etwa 60%, auf die Generika-Unternehmen knapp 7%, auf die Biotechnologie 9,5%, auf die Ausrüster- und Service-Firmen etwa 23%.

Während in der Theorie die Biotechnologie ihren Schwerpunkt in der molekularbiologischen Forschung und Entwicklung neuer Präparate hat, konzentrieren sich die „Big Pharma Companies“ auf die Produktion und den Vertrieb, und ist es Sache der Generika- und Spezialpharma-Unternehmen, auf Basis bestehenden Wissens nach Ablauf von Patenten die preiswertere Massenfertigung und Weiterentwicklung zu organisieren.

Die direkte Abgrenzung der Teilbranchen und die Zuordnung einzelner Unternehmen zu den entsprechenden Bereichen, erweist sich in der Praxis aber als schwierig. Immer häufiger zu beobachtende Fusionen, Übernahmen und Kooperationen haben die einst klaren Konturen verwischen lassen.

Hinsichtlich der Korrelationen, also der Parallelität der Kursentwicklungen von Unternehmen der verschiedenen Sektoren zueinander, ist ein moderater Gleichklang zwischen den Generika- und Biotech-Unternehmen zu beobachten, sowie ein vergleichsweise geringer zwischen den Generika-Firmen und den Pharmaceuticals.

Die Bedeutung des Pharma-Health-Care-Sektors nimmt angesichts veränderter demografischer Rahmenbedingungen rapide zu. Denn gemäß den Erwartungen, wird die Weltbevölkerung in den nächsten 15 Jahren um mehr als 30% wachsen, die Lebenserwartung weiter steigen und die Zahl der älteren, nicht mehr arbeitenden Menschen in den Industrieländern zunehmen. So wird beispielsweise in den USA in den nächsten 50 Jahren von einer Verdoppelung der Gruppe der dann über 65 Jährigen ausgegangen.

Neben dem Pharma Health Care Sektor in seiner Gänze, hat in den letzten Jahren vor allem die Biotechnologie besonderes Interesse der Investoren erlangt, was nicht zuletzt auf die medienwirksame Entschlüsselung des menschlichen Genoms und einige Achtungserfolge in der medizinischen Forschung zurückzuführen ist. Der Euphorie Ende der 90er Jahre folgte jedoch von 2001 bis in das Frühjahr 2003 eine fulminante Korrektur. Dabei waren sich Kenner der Szene stets sicher, dass die Börsen im Guten, wie auch im Schlechten zur Übertreibung neigten. Von daher dürfte die Bewertung des mehr als 50%igen Kursanstiegs im ersten Halbjahr 2003 als eine „Rückkehr zur Normalität“ nicht weiter verwundern. Von der Korrektur der Korrektur ist die Rede.

Die Seitwärtsbewegung im zweiten Halbjahr 2003 gilt allgemein als Erkenntnis, dass die Branche auf diesem Niveau nun in etwa fair bewertet ist. Vor diesem Hintergrund ist weder mit deutlichen Kurseinbrüchen nach unten, noch mit weiteren Rallyes nach oben zu rechnen. Die leichten Kursrückgänge seit Anfang dieses Jahres werden als moderate Gewinnmitnahmen bei besonders gut gelaufenen Titeln interpretiert. Dazu zählt beispielsweise OSI Pharma, die mit dem Lungenkrebspräparat Tarceva einen neuen Blockbuster schufen.

Wie stabil sich die Branche derzeit zeigt, lässt sich z.B. an der Tatsache ablesen, dass die Abberufung des Direktors der amerikanischen Gesundheitsbehörde (FDA) Mark McClellan zu keiner größeren Verunsicherung führte, was vor zwei bis drei Jahren wohl noch der Fall gewesen wäre. Die Angst um laufende Zulassungsverfahren und die Sorge um die Effektivität der Behörde hätte damals weiterreichende Konsequenzen gehabt.

Ausblick: Mehrere Biotechnologie-Fondsmanager zeigten sich in Gesprächen mit uns davon überzeugt, dass die Branche weiter wachsen wird, rieten jedoch, die Erwartungen nicht zu hoch zu hängen. Von jährlich 10-20% im Durchschnitt der nächsten 36 Monate ist die Rede. In wieweit sich dieses Wachstum proportional in Kursanstiegen der Aktien äußern wird, machen die Experten von der allgemeinen weiteren Konjunkturentwicklung und der medienwirksamen Zulassung wegweisender neuer Präparate abhängig. Die jüngsten Kursschwächen werden als Chance zum Aufstocken bereits bestehender Engagements gewertet.

Fazit: Die Pharmabranche allgemein bleibt ein interessantes Investment. Die Teilbereiche Biotechnolgie und Generika (gerade wurde der erste auf diesen Untersektor spezialisierte Fonds aufgelegt) bieten dabei den größten Spielraum für Phantasien. Allerdings erscheint eine zielgerichtete Strategie, die an einer Pharma-Intra-Branchenrotation partizipieren will, mangels fachlicher Kenntnis für die meisten Anleger unrealistisch. Von daher sollten Einmalanlagen aktuell eher in breiter streuende Pharmafonds getätigt werden, und die spezialisierteren Produkte, wenn überhaupt, eher mit lang laufenden Sparplänen bedacht werden.

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