Emerging Market Report

vom 01.12.2003

Osteuropa-Fonds: In den letzten Ausgaben hatten wir auf ein besonders hohes Kursniveau in Osteuropa, speziell bei russischen Rohstoffaktien hingewiesen.

Zwar hatten wir nicht konkret mit der Verhaftung des russischen Oligarchen Michael Chodorkowski (Firmenchef und Hauptaktionär des Ölkonzerns Yukos) als Anlass für eine Korrektur gerechnet, es hatte sich aber schon länger angedeutet, dass jeglicher Störfaktor, der die aufgebauten hohen Erwartungshaltungen ausländischer Investoren enttäuschen würde, zu herben Rückschlägen würde führen müssen.

Als die Staatsanwaltschaft über die Verhaftung Chodorkowskis hinaus auch noch dessen milliardenschweres, bei der Menatep Bank hinterlegtes Aktienpaket blockierte (angeblich damit der Oligarch später daraus seine Steuernachzahlungen bestreiten könne), glich die Moskauer Börse mehrere Tage einem Dollhaus. Chodorkowski hat mittlerweile aus dem Gefängnis heraus seinen Rücktritt bei Yukos bekannt gegeben. Damit könnte man die Krise für beendet erklären, wären da nicht einige denkwürdige Aussagen, die leider immer noch unkommentiert im Raum stehen.

So z.B. eine Erklärung des russischen Innenministers, die nicht gerade als klares Bekenntnis zur freien Marktwirtschaft interpretiert werden kann. Sinngemäß zeigte er sich davon überzeugt, dass die Bodenschätze dem russischen Volk gehören und kein Unternehmen das Recht habe, die daraus resultierenden Profite für seine Aktionäre zu kommerzialisieren.

Als hinterfragenswert gilt auch das Timing der Verhaftung Chodorkowskis. Schließlich wurde er just in dem Augenblick aus dem Verkehr gezogen, als sein Unternehmen mit zwei großen amerikanischen Ölkonzernen über einen umfangreichen Einstieg bei Yukos verhandelte.

Fazit: Das Gewitter hat für eine erste Abkühlung der Kurse gesorgt. Der Sturz war erfreulicherweise nicht zu tief und dürfte aufmerksame Betrachter für die nach wie vor in den osteuropäischen, speziellen russischen Märkten vorhandenen Risiken (vor allem das politische) sensibilisiert haben. In den nächsten Monaten wird es darauf ankommen, dass es Präsident Putin gelingt, Yukos als einen Einzelfall darzustellen, der keinen generellen Rückfall in politische Willkürmaßnahmen früherer Tage darstellt. Er muß Vertrauen zurückgewinnen und Rechtssicherheit für ausländische Investoren signalisieren. Ohne diese externen Investitionen wird die Modernisierung der russischen Wirtschaft nicht gelingen.

Bestehende Positionen sollten jetzt weiter gehalten werden. Sparpläne können fortgesetzt oder begonnen werden. Antizyklische Nachkäufe über Einmalanlagen halten wir noch für verfrüht. Die Region sollte in Ihrem Aktienportfolio auf keinen Fall stärker als fünf Prozent gewichtet sein. Asien erscheint uns im Vergleich der großen Schwellenländer-Regionen-Investments weiterhin interessanter.

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