Branchenfonds: Technologie-Aktien

vom 01.12.2003

Nach ihren traumatischen Erlebnissen am "Neuen Markt" wurde deutschen Anlegern in den letzten Monaten immer wieder eine besondere "Technologieaktien-Allergie" attestiert. Egal ob noch investiert, schon wieder oder gar nicht, nimmt der Betrachter zur Kenntnis: Tec-Dax Kursanstieg binnen 12 Monaten mehr als 40%, die amerikanische Technologie-Börse Nasdaq legte im selben Zeitraum sogar mehr als 50% zu. Bei selektiver Titelauswahl mit etwas Geschick war noch erheblich mehr möglich.

Mit Blick auf diese Ergebnisse fragen sich nun jene Anleger, die noch nicht investiert waren, ob sie jetzt noch auf den Zug aufspringen sollen, oder ob es schon wieder zu spät ist. Jene, die noch mit Verlust aus früheren Tagen investiert sind, überlegen, ob sie im Sektor bleiben sollen und die Aufholrallye sich fortsetzen wird. Und jene, die schon mit Gewinn investierten, fragen sich, ob sie dankbar Kasse machen sollen.

Zunächst bleibt nüchtern festzuhalten, dass wir von den ehemaligen Allzeithochs der entsprechenden Technologieaktien-Indizes noch weit entfernt sind. Deshalb sprechen die Fondsmanager selber häufig auch von "Etappensiegen" und "Achtungserfolgen". Sind die gesehenen Kursanstiege aber mehr als das, verkörpern sie die Wende? Das sehen die Manager für Branchenfonds "Technologie" durchaus unterschiedlich. Während einer der Experten von verschuldeten "Zombies" unter den Technologieaktien und einem nach wie vor völlig überbewerten Marktsegment spricht, das dringend noch weiter zurückgestutzt werden muss, sieht ein anderer steigende Kurse, aber eine "holprige Wegstrecke" vor sich. Wieder andere malen in den blumigsten Farben Bilder verdoppelter Indizes in den den nächsten zwei Jahren.

Einig ist man sich in der Einschätzung, dass das Interesse an Technologieaktien und in deren Folge auch die Kurse wieder gestiegen sind, größere Investitionen, vor allem von institutionellen Anlegern jedoch bisher ausgeblieben sind. Der Sektor ist weiter von stark schwankenden Kursen geprägt. Beispielhaft für die Erwartungen, die zwischen Euphorie und Skepsis schwanken, sei die SAP Aktie erwähnt. Ein einigermaßen guter Zwischenbericht löste gleich einen 13%-Anstieg aus.

Es zeigt sich, dass der Technologiesektor am Scheideweg steht. Erweist sich der Konjunkturaufschwung als nachhaltig, ist noch mehr Kurspotential drin. Ist die Erholung nicht dauerhaft, dann sind die meisten Titel schon jetzt zu teuer und ein Rückfall unvermeidbar. Somit kommt den nächsten Monaten eine entscheidende Bedeutung zu.

Generell ist die Branche überdies differenziert zu betrachten. Denn der eine oder andere Teilbereich verzeichnet eine Sonderkonjunktur, so z.B. das Geschäft mit Flachbildschirmen, Sicherheitssoftware, Rüstungselektronik, Autoelektronik oder auch die Consumer-Elektronik.

Fazit: Wer sich für Branchenfonds Technologie entscheidet, sollte weniger auf indexnahe Produkte setzen, als vielmehr auf erfahrene "Stockpicker" unter den Fondsmanagern, die sich auf die meistversprechenden Teilbereiche konzentrieren, bei der Selektion der Titel in der Vergangenheit ihr Geschick bewiesen und vor allem auch ein Auge für "Recovery Stories" haben, also für Unternehmen, die Krisen bewältigen und vor einer Erholung stehen. Generell ist ein Branchenfonds Technologie momentan keine Pflicht im Depot. Die Gewichtung des Sektors kann den globalen und regionalen Aktienfonds überlassen werden. Einzig der Aufbau über Sparpläne erscheint risikoarm und sinnvoll.

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