Japan Fonds

vom 01.09.2003

Nur erneutes Strohfeuer oder Chance auf die Wende? Von einem Ende der Baisse in Japan zu sprechen erscheint noch zu gewagt. Aber die Anzeichen für ein positiveres Investitionsklima mehren sich! Das hat man jedoch schon häufiger bei "zwischenzeitlichen Erholungen" in den letzten Jahren angenommen, denen stets noch tiefere Kurstäler folgten. Seit 13 Jahren fallen die Kurse per Saldo. Seit seinem Kurstief Ende April 2003 bei 7600 Punkten konnte der Nikkei Index jedoch mittlerweile über 25% zulegen. Zudem fiel der Tankan-Report, der wichtigste japanische Stimmungsindikator, ausgesprochen gut aus.

Weitere Faktoren geben Hoffnung: Die japanische Notenbank bekämpft die Deflation aggressiv mit der Notenpresse (Erhöhung der Geldmenge) und interveniert zudem massiv gegen den Dollar, um dem japanischen Export einen schwachen Yen zu erhalten. Ausserdem beginnen die bereits seit einiger Zeit eingeleiteten Restrukturierungen innerhalb der Unternehmen langsam erste Früchte in Form höherer Gewinne zu tragen.

Der Markt, so heisst es unter den Fondsmanagern, steigt in der Breite. Besonders jene Unternehmen können profitieren, die vor inflationärem Hintergrund attraktiver werden, als sie vor deflationärem waren. Dazu gehören auch die Banken, die mit ihren maroden Kreditlasten seit langem als das Sorgenkind Japans gelten. Sie profitieren derzeit auch von den steigenden Kursen am Aktienmarkt, die ihre Portfolios zu höheren Bewertungen führen.

In Ermangelung einer Alternative am Rentenmarkt investieren immer mehr Japaner in den heimischen Aktienmarkt und kaufen immer mehr Firmen ihre eigene Aktien zurück. Fehlen zum dauerhaften Glück noch ausländische Investoren, die bereits Interesse bekunden, aber noch nicht im grossen Stil gekauft haben.

Es gibt keine Gewissheit, dass wir es mit einem beginnenden lang anhaltenden Aufwärtstrend zu tun haben. Viele Indizien sprechen jedoch dafür. Von ausländischen Engagements werden die Standardwerte am stärksten profitieren. Die Nebenwerte des "New Japan" erscheinen ebenfalls interessant, gelten jedoch bei den Fondsmanagern als schwieriger zu "händeln" und illiquider.

Wir empfehlen nicht zu lange zu warten und zumindest mittels Japan-Standardwerte-Fonds über "Ratenkäufe" oder Sparplan eine angemessene Position (bis 10% des Aktienfondsportfolios) aufzubauen.

Die Einschätzung des Japan-Fonds-Produkt-Sortiments fällt aktuell schwer, da in der Baisse viele Produkte mit großen Cash-Positionen und konservativen Strategien "überwintert" (Verluste begrenzt) haben und die erfolgreichsten Fonds der letzten Jahre nicht unbedingt die geeigneten sein müssen, um an einem Aufschwung optimal zu partizipieren. Man sollte sich darauf einstellen, unter Umständen im Verlauf des Trends vielleicht einmal den gewählten Fonds gegen einen "besseren" tauschen zu müssen. Das sollte einen Anleger aber nicht davon abhalten, schon jetzt in einen aussichtsreichen Länderfonds Japan zu investieren. Die Hauptsache ist, der Markt wird im Portfolio abgedeckt. "Lieber ein zweitklassiger Fonds in einem steigenden Markt, als ein erstklassiger in einem fallenden".

weitere Artikel