Erwartungshaltung: Zwischen Gier und Angst

vom 04.08.2003

Die gute Nachricht: Vieles spricht für die Einschätzung, dass die seit drei Jahren andauernde Baisse im Verlaufe des zweiten Quartals 2003 ihr Ende gefunden hat. Die schlechte Nachricht: Das heisst jedoch keineswegs, dass sich die in den letzten Monaten gesehenen fulminanten Renditeschübe in dieser Art fortsetzen oder sogar die in den letzten Jahren entstandenen Verluste in kurzer Zeit ausgeglichen werden. Auch dann nicht, wenn uns die Performance vieler Fonds in den letzten Wochen dies glauben lassen könnte.

Hintergrund: Wenn in den nächsten Tagen die Medien die Performance-Halbjahreszahlen 2003 der Investmentfonds veröffentlichen, werden jene Fonds, die sich vor allem auf Technologie-Aktien spezialisiert haben zumeist mit hohen zweistelligen Renditen auf sich aufmerksam machen. Beispielsweise konnten mehrere ehemalige Neue Märkte Fonds, die jetzt auf den Tec DAX fokussiert sind, mehr als 30% zulegen. Ausgesuchte Internet-Fonds erfuhren sogar Wertsteigerungen von bis zu 100%. Schon steigt die Nachfrage nach entsprechenden Produkten. In diesem Zusammenhang bleibt Folgendes festzuhalten:

1. Nur wenige Privatanleger dürften an diesen "Gewinnen" im Jahr 2003 beteiligt gewesen sein. Denn die Kurse des überwiegenden Einstiegsniveaus Ende der 90er Jahre, Anfang 2000, sind immer noch weit entfernt. Frische Mittel haben die wenigsten Anleger in der späten Baisse investiert. Entweder weil sie keine verfügbaren Gelder mehr besassen oder weil sie sich nicht in den Markt trauten.

2. Wer jetzt von den Halbjahreszahlen gelockt kauft, muss damit rechnen, in eine zu erwartende technische Korrektur zu geraten und wieder "Federn" zu lassen.

3. Die ausserordentlich hohen Kurssteigerungen in diesem Bereich entstanden vor allem aus der Schliessung einer ungerechtfertigten großen Bewertungslücke. Somit stellen sie zunächst ein Sondereffekt dar, der sich keineswegs jedes Quartal oder Halbjahr wiederholen kann.

Als antizyklische Investoren empfehlen wir:

1. Erteilen Sie einer ggf. aufkeimenden "Gier" eine sofortige Absage. Treffen Sie bitte keine übereilten Entscheidungen zu prozyklischen, ihren Portfolios nicht angemessenen Käufen von Technologie-Fonds mittels Einmalanlagen.

2. Entsprechende Fonds können immer nur eine kleinere Depotbeimischung darstellen. Wie alle spezialisierten Fonds müssen auch Technologie-Fonds aktiv gehandelt werden, und sind somit nicht für eine buy-and-hold-Strategie geeignet.

3. Lernen Sie aus Erfahrungen: Einmal mehr hat sich gezeigt, dass man zum Zeitpunkt des grössten Pessimismus (Ende März 2003) hätte kaufen sollen. Die wenigsten haben es getan. Ablesbar an den Mittelzuflüssen, die der Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften (BVI) unlängst veröffentlichte: 12,2 Mrd. Euro flossen im ersten Halbjahr 2003 in Immobilienfonds, 6,3 Mrd. Euro in Geldmarktfonds und nur 1,8 Mrd. Euro in Aktienfonds.

4. Der richtige Weg in dieser Situation zum Aufbau von Technologie-Fonds ist in langlaufenden Sparplänen zu suchen. Dabei wird das Risiko des Timings durch regelmässige Käufe von einem Zeitpunkt auf einen Zeitraum verteilt.

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