Emerging Markets Report

vom 04.08.2003

vom 31.07.2003

Seit dem Ende der SARS-bedingten Belastung der Kapitalmärkte, gehörten die asiatischen Börsen erwartungsgemäß zu den größten Gewinnern. Der MSCI-Asien legte von knapp 210 Punkten im April um über 25 Prozent auf gut 260 Punkte zu. Hohe Kursgewinne gab es in den Finanzmetropolen Hongkong, wo der Hang-Seng von rund 8.400 über 10.000 stieg, und Singapur, wo der Strait Times Index von rund 1.200 auf fast 1.600 anzog. Der thailändische SET-Index erreichte erstmals wieder die 500-Punkte-Marke. Der Taiwan Weighted wurde zeitweise von der Nachfrage nach Stahlwerten nach oben getragen und hielt sich zuletzt über 5.200 Punkten.

Auch die Halbleiterbranche dürfte das Tal durchschritten haben, wenn auch nicht mehr so stark wachsen können wie in früheren Jahren. Der Preis für DRAM-Speicherchips zeigte sich zuletzt relativ stabil knapp unter 5 Dollar. Der weltgrößte Speicherchip-Hersteller und Lieblingswert der Asienfonds, die koreanische Samsung Electronics, kündigte an, in diesem Umfeld Gewinne machen zu können. Der südkoreanische KOSP-Index pendelte zuletzt eng um die 700-Punkte-Marke. Asien-Fonds bleiben eine attraktive Depotbeimischung, die mit mindestens 10, eher 20 bis 30 Prozent aller Aktieninvestments gewichtet sein sollten.

Osteuropa / Russland: Der russische Kapitalmarkt ist in der Gunst der Anleger in den letzten Jahren stark gestiegen. Tatsächlich dürfte das reale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr über dem Ziel von 4,6 Prozent liegen. Die persönlichen Einkommen stiegen im ersten Halbjahr um gut 15 Prozent. Dank hoher Rohstoff- bzw. Energiepreise erzielt das Land sowohl einen Handelsbilanz- als auch Budgetüberschuss. Positiv würdigten die Märkte auch die Fortschritte bei marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Fluchtgelder flossen zurück nach Russland. Der Anteil des Stammkapitals, der im Ausland in Form von ADRs ("American Depositary Receipts") gelistet werden darf, kann nach Vorschlag der russischen Behörden von 75 auf 40 Prozent gesenkt werden. Die Aktienindizes erklommen den höchsten Stand seit über fünf Jahren. Der RTS-Index stieg allein in diesem Jahr von 2.600 auf rund 3.900 Punkte, also rund 50 Prozent.

Die Unternehmensgewinne sind allerdings nicht annähernd so schnell gestiegen, so dass sich das Markt-KGV auf rund 10 verdoppelt hat. Der jüngste RTS-Wochenverlust von 6,6 Prozent zeigt, wie anfällig die Moskauer Börse inzwischen ist. Tatsächlich steht nicht alles zum Besten: Während die etablierten Milliardäre als Profiteure der Privatisierung den Einfluss des Staates gering halten möchten, erhöht die Administration von Präsident Putin aus eigenem Machtkalkül den Druck auf die unbeliebten "Oligarchen". Dies könnte den Kapitalstrom wieder umkehren, und zu einer erneuten Flucht des Kapitals aus Russland führen. Am wenig liquiden russischen Aktienmarkt würde dies große Kursverluste auslösen können. So richtig es war, auf deutlich niedrigerer Basis in den russischen Markt einzusteigen, so vorsichtig sollte man jetzt sein. Wo der Anteil der einst empfohlenen Osteuropa-Fonds am Gesamtdepot (aufgrund der guten Performance) über zehn Prozent gestiegen ist, raten wir zu Gewinnmitnahmen. Auf Fonds, die sich ganz auf russische Aktien spezialisiert haben, sollte man aus Risikogründen bis auf weiteres ganz verzichten.

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