Zauberwort: "Total Return"

vom 02.07.2003

Wer die Welt der Investmentfonds aufmerksam verfolgt, findet regelmäßig eine neue Wortschöpfung, die als vermeintliches "Zauberwort" die brancheninterne Debatte in den Medien, im Vertrieb und im Marketing der Gesellschaften eine Zeit lang beherrscht. Nach einiger Zeit hat sich dieser Begriffe dann zumeist aufgrund inflationärer Handhabung abgenutzt und verschwinden entweder wieder in der Bedeutungslosigkeit aus der sie kamen. Oder sie gehen in den "allgemeinen" Sprachgebrauch über.

Seit Monaten kursieren nun schon die Begriffe "Total-" oder auch "Absolute- Return Fonds". Somit stellt sich die Frage, es ob sich dabei um Innovationen handelt oder um die nächsten "Marketinggags, mit denen die Investmentgesellschaften den aktuell schleppenden Absatz ihrer Fondsprodukte ankurbeln wollen? Was verbirgt sich hinter diesen Namen?


Die Tatsache, dass es keine branchenweit einheitliche Definition der beiden Begriffe, geschweige denn eine klare Abgrenzung zueinander gibt, zeigt schon, dass eine Einschätzung nicht so ganz einfach fällt.

Während der Ansatz des "Relative Returns" sich um die "relative" Outperformance einer Benchmark (Index) bemüht, will der "Total Return Ansatz" stets eine positive Rendite erzielen und das Risiko begrenzen, also Verlustpositionen desinvestieren und bereits erzielte Performance sichern.

Bei einem Anbieter wird das Ziel wie folgt beschrieben: Erzielung einer stetigen, positiven Performance mit einer möglichst geringen Schwankungsbreite durch Abkehr von einem relativorientierten Benchmarkansatz hin zu einer absoluten Performancebetrachtung bzw. Betrachtung des Gesamterfolgs (Total Return). Dabei soll die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen, wie z.B. Aktien, Renten etc., mit möglichst geringer Korrelation zu einander die Ausnutzung von Diversifikationseffekten ermöglichen, also das Risiko streuen. Risikomanagementsysteme sollen das Investitionsrisiko gezielt steuern und begrenzen.

Viele Investmentgesellschaften fühlten sich gefordert, sich etwas Neues einfallen zu lassen, was unter Umständen mehr Rendite als bei Garantiefonds erwarten lässt und trotzdem "scheinbar" den Sicherheitsanforderungen der Anleger entspricht. In dieser Not, denn die "Eier legende Wollmilchsau" gibt es natürlich immer noch nicht, hat man sich einfach wieder der klassischen Fondsidee bedient und wieder der Entwicklung breit streuender, von der Benchmark losgelöster, sich über verschiedene Assetklassen erstreckender Anlagestrategien zugewandt. Hier ist ein entgegengesetzter Trend zur zunehmenden Spezialisierung von Investmentfonds in Form von Sektoren- oder Länderfonds entstanden, der zu den Ursprüngen der Fondsidee zurückkehrt.

Kombiniert mit dem Erfolg eines US-Anbieters war die "neue Fondsidee" fertig, der "Total- oder auch Absolut Return Fonds" geboren. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß wir diese Fonds nicht als solche kritisieren. Vielmehr lehnen wir die Darstellung in der Vermarktung, als etwas "Neues", "Weltbewegendes", ein "System", mit dem gleichsam stets gefahrlos positive Renditen, immer öfter ist zu hören, auch "hohe", erwirtschaftet werden können, ab. Wenn das so einfach wäre, würden sich die Gesellschaften nebenbei bemerkt das Armutszeugnis ausstellen, derartige "Steine der Weisen" nicht schon eher konzipiert zu haben.

Die Anleger können sich ausgewählte Produkte durchaus zulegen, müssen jedoch prüfen lassen, welche Risiken der Total-Return Fonds im Einzelfall eingeht. Wenn derzeit ein bestimmter Anbieter mit einer angestrebten Jahresrendite von 14% wirbt, muss klar sein, dass er dieses Ziel nur dann erreichen kann, wenn die Börsen in den nächsten Jahren wieder rasant steigen, wovon wir zunächst einmal nicht ausgehen können, oder er überproportionale Risiken eingeht. Diese stellen gleichsam den Preis für die Chance dar.

Wer sich aus "Sicherheitsgründen" für einen Total-Return Fonds entscheidet, sollte also eher jene Anbieter bevorzugen, die sehr konservative Modelle und ausgefeilte Riskomanagementsysteme entwickelt haben. Proportional zu den Sicherheitsanforderungen wird sich der Investor in diesen Fällen allerdings auch mit relativ niedrigen Renditen zufrieden geben müssen. Das wird ihm unter Umständen gerade dann schwer fallen, wenn die Aktienmärkte sich in einer stärkeren Aufwärtsbewegung befinden, sein Fonds aber nicht angemessen partizipiert. Dieser entgangene Gewinn stellt dann den Preis der Sicherheit dar.

Fazit. Die sogenannten Total Return Fonds sind keinesfalls alle über einen Kamm zu scheren und müssen bei Interesse individuell beurteilt werden. Auch bei diesen Produkten kann die Performance nur in Abhängigkeit zum eingegangenen Risiko erzielt werden. Generell bewegen sich die Produkte in einem Risiko-Spektrum zwischen "aufgeweichten Garantiefonds" und "Vermögensverwaltungsfonds". Je weiter sich die Konzeptionen von der "konstruierbaren Garantie" (über festverzinsliche Wertpapiere zu einem Laufzeitende) entfernen, um so größer ist das Risiko, das Ziel einer absoluten (stets positiven) Rendite verfehlen zu können. Somit bleibt die Aussage eines jeden "Nicht Garantie Fonds", einen jährlichen positiven Ertrag leisten zu wollen, bis zum Eintritt des jährlichen Nachweises eine Absichtsbekundung, auf die sich der Anleger nicht verlassen kann.

Total Return Fonds wollen eine positive Rendite anstreben, und dabei aber mittelfristig eine hohe Rendite erwirtschaften, was nicht jedem gelingen, und bei offensiver Fehlstrategie auch zukünftig häufig genug im Minus enden wird. Hier sind keine wirklich neuen Fondskonzepte entstanden! Die Investmentindustrie erinnert sich lediglich der ursprünglichen Idee. Wir werden sehen, wer es nicht verlernt hat, Vermögensverwaltung zu betreiben, die es in einem Produkt zusammengefasst dem Anleger erlaubt, eine "Buy and Hold Strategie" zu fahren. Die Fonds jener Anbieter, die den Beweis antreten, es nicht verlernt zu haben, werden für die Anleger sehr interessant sein. In diesen Fällen wird auch egal sein, wie die Produkte heißen.

weitere Artikel