Emerging Markets Report

vom 02.05.2003

vom 30.04.2003

Kaum tritt der Irak-Konflikt in den Hintergrund, taucht ein neuer Problem auf: Die Atemwegserkrankung SARS. Sie ist zu einem Belastungsfaktor für Wirtschaft und Börse geworden. Besonders die asiatischen Märkte - und dabei wiederum China - sind betroffen. Der Hongkonger Hang-Seng-Index hat in den letzten drei Wochen eine wichtige Kursmarke bei 8.750 Punkten unterschritten und befindet sich in einem intakten Abwärtstrend. Auch die rot-chinesische Börse in Shenzhen, die sich lange besser entwickeln konnte, verlor unter dem Eindruck der drohenden Epidemie deutlich, allein in einer Woche sieben Prozent. Noch stärker ging es mit dem Taiwan Weighted Index bergab: Mehr als neun Prozent verlor der Index der Börse Taipeh. Südkoreanische Aktien gaben vor allem aufgrund des Konfliktes um die nordkoreanische Atomrüstung die Gewinne der Vorwochen wieder ab. Schon werden die Wachstumserwartungen für die ganze Region, ja sogar für die Weltwirtschaft mit Hinweis auf die "Virus-Seuche" reduziert. Tatsächlich werden bestimmte Branchen hart getroffen: Tourismus und Flugverkehr reagieren immer sehr sensibel auf eskalierende Ängste. Terrorismus und Naturkatastrophen haben oft vergleichbare Wirkungen gehabt. Die Erfahrung zeigt: Wenn diese Probleme akut sind, werden sie von Märkten in ihren Auswirkungen meist überschätzt, nach wenigen Wochen sind sie aber aus den Schlagzeilen und Köpfen verschwunden. Die Chancen, dass dies auch bei SARS so sein wird, sind groß. Vor diesem Hintergrund sollten antizyklisch agierende Anleger die nächsten Wochen nutzen, um Bestände an Südostasienfonds auf- bzw. auszubauen. Im Gegenzug können bei Osteuropa-Fonds (Teil-) Gewinnmitnahmen erfolgen. Der Nachrichtenstrom aus der Region war zuletzt positiv. Die Fusion großer Energiekonzerne und steigende westliche Direktinvestitionen signalisieren wirtschaftlichen Fortschritt in Russland. Gleichzeitig wird der Konvergenzprozess mit Zentraleuropa durch die besiegelte Osterweiterung der EU untermauert. Der MSCI-Osteuropa erreichte unter Führung russischer Aktien mit 108,6 Punkten zuletzt neue Jahreshochs. Der Moskauer RTS-Index stieg in drei Wochen um 24 Prozent!

Fazit: Der Nachrichtenstrom aus Osteuropa war zuletzt gut, der aus Südostasien schlecht. Während der MSCI-Osteuropa neue Jahreshochs erreichte, fiel der MSCI-Asien auf den tiefsten Stand des Jahres. Bei den geografisch spezialisierten Emerging-Markets-Fonds sollten man über antizyklische Umschichtungen von Osteuropa- in Südostasien-Fonds nachdenken.

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