Biotechnologie

vom 02.05.2003

Wie kaum ein anderer Sektor steht die Biotechnologie-Branche für zwischenzeitlich überzogene euphorische Erwartungen der Investoren, die in den letzten Jahren, für viele Anleger schmerzhaft, auf ein Normalmaß zurückgestutzt wurden. Am "Zukunftspotential" des Sektors hat sich indes nichts geändert.

Die meisten Fondsmanager zeigen sich hinsichtlich ihrer Erwartungen für den Biotech-Sektor in den nächsten Monaten "verhalten optimistisch". Es gibt keinen Grund zur Euphorie. Aber in einem Punkt ist man sich unter den Profis einig: das Schlimmste liegt hinter uns! Restrukturierungen, Konzentrationen, eine in ihrer Handlungsfähigkeit und Kapazität erstarkte FDA (amerikanische Gesundheitsbehörde) in den USA und eine erfreuliche Ermangelung weiterer Skandale innerhalb des Sektors geben Grund zur Annahme, dass die Branche in der Zukunft zu alter Attraktivität zurückfinden könnte.

Zum Biotechnologie-Sektor allgemein: Die Schwierigkeit der Definition des Sektors liegt in seiner Abgrenzung zur Pharma-Industrie. Das Profil der beiden Branchen überlappt bereits jetzt und wird in den nächsten Jahren immer weiter verwischen. Dieser Umstand ist darauf zurück zu führen, dass die Pharma-Konzerne in den nächsten Jahren immer häufiger mit auslaufenden Patenten auf ihre "Blockbuster" rechnen müssen, mit denen sie den Hauptteil ihrer Umsätze erwirtschaften. Die Generika, beschreiben wir sie der Einfachheit halber als billigere Kopien dieser Präparate, lösen im Anschluß an die Patentabläufe gewaltige Margenerosionen aus, die obendrein noch mit rückläufigen Marktanteilen einhergehen. Diese Löcher in der Produktpipeline wollen regelmäßig gestopft werden. Da die herkömmliche Pharmazie auf biologischen, also in der Natur vorkommenden und chemischen Wirkstoffen basiert, die mittlerweile an Leistungsgrenzen zu stoßen drohen, liegt die Zukunft neuer Präparate eher im Bereich der Biotechnologie. Auf diesen extrem kostenintensiven Forschungsgebieten arbeiten kleinere Unternehmen an einzelnen Problemlösungen und werden für die Pharma-Unternehmen immer dann interessant, wenn sie kurz vor dem Durchbruch stehen. Hierbei sind im Laufe der letzten Jahre bereits mehrere große Übernahmen oder strategische Allianzen entstanden, die eine scharfe Abgrenzung der beiden Sektoren gegeneinander erschweren bis unmöglich machen.

Die klassischen Biotechnologie-Unternehmen haben im Umkehrschluß immer häufiger nicht die finanzielle Ausstattung, um die Forschung bis zur Zulassung der Präparate zu finanzieren, und sind daher gleichsam dazu gezwungen, sich unter den großen Pharma/Biotechs Partner und Mentoren zu suchen, die ihre Forschungsarbeiten unterstützen oder schlicht zu Ende finanzieren. Dabei zeichnet sich bei Betrachtung der entsprechenden Indizes für Biotechs, z.B. des Nasdaq Biotech-Index schon heute eine starke Konzentration auf einige wenige Big-Player, wie z.B. "Amgen", ab, die den Markt beherrschen und sich ähnlich einer Raupe über den Markt fressen und von der Einverleibung anderer Forschungsergebnisse leben. In der Konsequenz sind diese Big-Player zwar Indikator für die Ertragskraft und Stimmungslage des Biotechnologie-Sektors im allgemeinen, jedoch wohl kaum die interessanten Titel, mit denen man im Portfolio jene Traumrenditen erwirtschaften kann, die sich die Anteilsinhaber von Biotechnologiefonds erhoffen.

Generell läßt sich der Biotech-Sektor in drei Bereiche einteilen: Die Branchenführer, wie z.B. Amgen und Genentech, signalisieren solide langfristige Aussichten, die speziell mit Blockbustern z.B. in den Bereichen Krebsbekämpfung, Asthma und Schuppenflechte verbunden sind. Hier werden Umsatzsteigerungen von bis zu 30% pro Jahr erwartet. Und auch kleinere junge Unternehmen weisen ein starkes Momentum auf. Begleitet werden diese Umstände von einem positiven Nachrichtenstrom aus dem Klinik- und Zulassungsbereich. Zudem sind beschleunigte Übernahme-Aktivitäten und eine größere Anzahl strategischer Allianzen und eigener Aktienrückkäufe zu beobachten, die verdeutlichen, dass der Konzentrationsprozeß weiter voranschreitet und die erreichten Kursniveaus von den Unternehmen selbst als preiswert empfunden werden.In der Frühphase der Forschung befindliche Unternehmen werden sich weiterhin schwer tun. Begrenzende Faktoren sind hier die Finanzkraft und nicht vorhandene Produktpipelines, aus denen sich schöpfen ließe.

Daraus folgt: Die Biotechnologiebranche hat tragfähige Geschäftsmodelle vorzuweisen, und ist somit nicht mit den gänzlich "geplatzten" Erwartungen vieler anderer Technologiebereiche vergleichbar. Es werden bereits Milliardenumsätze in dieser Branche generiert. Der Einzeltitelselektion kommt aber die entscheidende Bedeutung zu: "Wer steht am dichtesten vor dem Forschungsdurchbruch?" lautet die entscheidende Frage, die der Laie nicht beantworten kann. Somit ist er auf den spezialisierten Portfoliomanager angewiesen.

Zudem muß der Biotech-Sektor in immer stärkerem Zusammenhang zur Pharmaindustrie gesehen werden, was auch bei der Depotgestaltung der Aktienfondsportfolios eine Rolle spielt. Dabei wird stets zu berücksichtigen sein, dass angesichts der zunehmenden Bedeutung der Branche "Pharma/Biotech" der Stellenwert betreffender Unternehmen auch in breiter investierenden Aktienfonds, wie z.B. internationalen oder amerikanischen wachsen wird. Aus diesem Grund bietet es sich an, bei den Biotechnologie-Fonds auf jene zu setzen, die mindestens die Hälfte ihrer Mittel in die forschenden Unternehmen investieren, deren klinische Studien überzeugen, und deren Produkte sich bereits in fortgeschrittenen Stadien des Zulassungsverfahrens befinden.

Somit empfehlen sich spezialisierte Biotechnologiefonds weiterhin für Sparpläne und kleinere Zukäufe über Einmalanlagen. Die Gesamtposition sollte 5% nicht übersteigen und wird bei einer zusammenhängenden Betrachtung auch der Pharma- und Biotech-Aktien in breiter streuenden Fonds ohnehin tatsächlich größer sein. Die Biotechs bleiben eine echte "Wachstumsbranche".

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