TexDAX: Neuer Index vor dem Aufstieg

vom 01.04.2003

Am Montag, dem 24. März startete die Deutsche Börse mit der Berechnung und Veröffentlichung einer ganzen Reihe neuer Aktienindizes (u.a. dem Prime Standard Branchenindex). Gleichzeitig wurden die alten Indizes für deutsche Nebenwerte in Ihrer Zusammensetzung deutlich verändert (MDAX, SDAX) oder sogar abgeschaft (NEMAX-All-Share, SMAX).

Mit Rücksicht auf die Terminbörsen erfolgen solche Änderungen immer erst unmittelbar nach dem Auslaufen von Terminkontrakten, was am dritten Freitag im letzten Monats eines jeden Kalenderquartals der Fall ist. Dieser sogenannte "Hexensabbat" fand zuletzt am 21. März statt. Am darauffolgenden Montag, dem 24. März, starteten die Aktienindizes dann in veränderter Zusammensetzung in die nächsten drei Monate.

Beim bekannten DAX gab es allerdings diesmal keine Änderung der 30 größten und wichtigsten deutschen Aktien, die im Index enthalten sind, nur ihre Gewichte wurden dem veränderten Börsenwert angepasst. Vor allem der bislang sehr hohe Einfluss der Versicherungskonzerne Allianz und Münchener Rück verringert sich aufgrund deren Kursverfalls.

Stark verändert präsentiert sich dagegen der sogenannte "MDAX" für die mittelgroßen deutschen Unternehmen. Die Zahl der in ihm enthaltenen Aktien wurde von 70 auf 50 reduziert. Gleichzeitig entfiel das Kriterium, wonach die Unternehmen ihren Sitz in Deutschland haben müssen. Deshalb konnten die deutschstämmigen, aber im europäischen Ausland "sitzenden" Unternehmen EADS und DePfa Bank jetzt in den MDAX aufgenommen werden.

Die meisten "MDAX-Absteiger" sind jetzt im "Small-Cap-Index" SDAX, der ebenfalls 50 Werte enthält, dabei allerdings "völlig umgekrempelt" wurde, denn nur 14 der 50 Aktien war auch vorher im SDAX. Die früheren MDAX-Werte haben jetzt mehr Gewicht im SDAX als die alten SDAX-Aktien.

Fünf bisherige MDAX-Werte wechselten nicht in den SDAX sondern in den neu geschaffenen, 30 Aktien umfassenden TecDAX: Drägerwerk, Epcos, Jenoptik, Software und Wedeco. Eine Aktie, nämlich Web.de, schaffte den Sprung vom auslaufenden NEMAX-All-Share-Index in den TecDAX; die übrigen 24 TecDAX-Werte sind NEMAX-50-Aktien, allen voran t-online, BB Biotech und Qiagen, die jeweils ein Gewicht von 10% im TecDAX erhalten haben.

Damit tritt der TecDAX das Erbe des Neuen Marktes an. Auch die Mehrheit der bislang am Neuen Markt aktiven Fonds hat bereits verkündet, sich künftig am TecDAX messen zu wollen. Glücklicherweise ist der TecDAX aber nicht einfach die Fortsetzung des Neuen Marktes unter anderem Namen. Die Neue Markt war ein Sammelbecken für junge "Wachstumsunternehmen" aus verschiedensten Branchen, darunter Medienunternehmen wie EM.TV und Finanzdienstleiter wie Comdirect. Der TecDAX ist dagegen kein eigenständiges Marktsegment, sondern nur ein Index für die 30 größten und wichtigsten Technologie-Aktien unterhalb des DAX. Die Zusammensetzung des TecDAX wird halbjährlich überprüft, wobei nur Aktien aus den Branchen Hardware, Software, Hochtechnologie, Telekommunikation und Biotechnologie berücksichtigt werden. Wer aus diesen Branchen hinsichtlich Börsenwert und Börsenumsatz nicht groß genug ist, um in den DAX aufgenommen zu werden, aber unterhalb des DAX jeweils zu den 35 wichtigsten Aktien gehört, soll in den TecDAX aufgenommen werden. Das Gewicht wird vierteljährlich nach dem Börsenwert ("Free Float Value") angepasst, aber auf höchstens 10 Prozent beschränkt. Der TecDAX ist ein sogenannter "Performance-Index", wonach sämtliche Dividendenzahlungen am Tag des Zuflusses als wieder in Aktien des zahlenden Unternehmens reinvestiert gelten. Die Deutsche Börse berechnet den TecDAX während der Handelszeit von 9.00 bis 20.00 Uhr alle 15 Sekunden.

Übrigens wird der NEMAX-50-Index trotz Auflösung des Neuen Marktes noch bis Ende 2004 weiterberechnet. Wie stehen die Chancen für den TecDAX?

Der TecDAX wird von den neu geschaffenen deutschen Aktienindizes der wichtigste sein. In seiner Popularität dürfte er möglicherweise den MDAX überholen und nach dem "großen" DAX der am zweitmeisten beachtete deutsche Index werden. Auch als Benchmark für Aktienfonds hat er seinen Siegeszug schon begonnen. Allerdings ist zu bedenken, dass es sich nicht um einen Branchenindex handelt, der alle wichtigen deutschen Technologie-Unternehmen enthält, im Gegenteil: Die größten deutsche Hard- und Softwarehersteller, Technologie- und Telekommunikationsunternehmen sind nicht im TecDAX enthalten! Siemens, Infineon, SAP und die Deutsche Telekom sind DAX-Werte. Weil der TecDAX überschneidungsfrei zum DAX konstruiert wird, eignet sich der TecDAX nicht als klassischer Branchenindex. Die Popularität des TecDAX dürfte aber mehr von seiner Kursentwicklung abhängen - und diesbezüglich stehen die Chancen nicht schlecht. Nach dem dreijährigen Niedergang der Technologie- und Telekom-Branche ist die Bewertung der meisten TecDAX-Aktien inzwischen auf einem angemessenen, in zahlreichen Fällen sogar attraktiven Niveau. Frühere Neuer-Markt-Fonds, die sich jetzt am TecDAX orientieren, bleiben als Depotbeimischung haltenswert bzw. in kleinem Umfang sogar kaufenswert.

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