TMT-Sektor: Licht am Ende des Tunnels

vom 10.02.2003

Ende der 90er Jahre war der Aktiensektor der TMT Werte (Telekommunikation, Medien, Technologie) das Lieblingskind der Anleger. Das Internet, Mobiltelefone und weitere technische Neuerungen lösten eine selten gesehene Euphorie der Börsianer aus.

Dieser Boom stellte die Konsequenz der scheinbar in den Himmel wachsenden Unternehmensgewinne dar, bei deren Anblick sich die Investoren nicht mehr für angemessene Bewertungen interessierten, sondern nur noch für die nächsten Quartalsberichte, die ständig wachsendes Geschäft verhiessen. Im Jahr 2000 platzte die Spekulationsblase, wobei die sogenannten Wachstumswerte auf ein realisterisches Niveau zurecht gestutzt wurden. Was ein bekannter Fondsmanager Ende 1999 prophezeit hatte, trat ein: 90% der Internet- und Telekommunikationswerte verloren annähernd 90% ihres Börsenwertes. Aus den Lieblingen der Börse wurden die geprügelten Hunde.

Bekanntlich liegt es im Naturell des Menschen, von einem Extrem zum nächsten zu hetzen und damit immer wieder neue Übertreibungen hervorzurufen. Wer diesen Umstand erkennt, kann von ihm jedoch profitieren. Und so fragen sich viele antizyklisch eingestellte Fondsmanager in den letzten Wochen, ob der abgestrafte TMT-Sektor nicht schon wieder ein interessantes (Einstiegs-) Niveau gefunden hat. Dabei sind es nicht nur, wie gelegentlich angenommen wird, die den Wachstumswerten durch den "Growth"-Stil verbundenen Vermögensverwalter, sondern gerade auch die an der Substanz der Titel interessierten Value-Manager, die erste TMT-Aktien wieder anschauen, anfassen und sogar kaufen. Entscheidend kommt es bei dieser Auswahl allerdings auf die Qualität der einzelnen Titel an. In der Breite dürfte in der Zeit bis zur nächsten "Euphorie" wohl keiner mehr den Sektor kaufen. Die Blicke auf die Einkaufszettel mehrerer Europa-Fondsmanager zeigen in den letzten Wochen z.B. eine Deutsche Telekom, eine France Telecom und andere. Erstmals wird wieder eine Übergewichtung des Sektors in vielen Fonds gegenüber der Benchmark gewagt. Nach diesem ersten Schritt, so eine Fondsmanagerin im Gespräch, schaue ich mir auch die Medien-Aktien wieder an.

Betrachtet man den Vergleich der Sektoren für das letzte Quartal 2002 lässt sich auch eine relative Stabilisierung der Kurse der wenigen verbliebenen Internetfirmen erkennen. Betrachtet man den Technologiesektor in seiner Gesamtheit, werden mehrere Dinge deutlich: Die Börse hat abgestraft, die nicht tragfähigen Geschäftsmodelle sind in der Mehrzahl bereits aussortiert oder ringen noch mit dem baldigen Tode. Hinter den Kulissen sind die Rationalisierungen angelaufen und zeigen erste Wirkungen. Die "Überlebenden", dieser Eindruck erhärtet sich, werden gestärkt aus der Korrektur hervorgehen. An der Attraktivität der betroffenen Branchen hinsichtlich ihres Betätigungsfeldes hat sich zudem nichts geändert. Der Kondratjeff-Zyklus der Informationstechnologie wird noch auf Jahrzehnte hinaus hohe Gewinne für die TMT Branche bescheren.

Was bedeutet diese Einschätzung für die Anlagestrategien?

Wer Branchenfonds dieser Art bisher nicht verkauft hat, braucht jetzt zumindest aus strategischen Erwägungen heraus auch nicht mehr zu verkaufen. Die Chancen erscheinen mittlerweile ungleich höher als die Risiken. Das Erholungspotential wird jedoch nur schrittweise in Kurserfolgen zu erkennen sein. Eine Rallye kann und sollte niemand erwarten. Sparpläne sollten mit TMT-Branchenfonds unter Beobachtung der entstehenden Gewichtung im individuellen Portfolio fortgesetzt oder sogar eröffnet werden. Bei der Investition grösserer Einmalanlagen sollte noch Zurückhaltung geübt werden.

Fazit: Die Verteufelung der TMT-Aktien scheint auf dem erreichten Kursniveau nicht mehr angemessen. Der technologische Fortschritt verleiht dem Sektor weiterhin Attraktivität. Auch nach dem Crash muss telefoniert werden, und muss die in Gänze vor der Jahrtausendwende modernisierte Computertechnologie der meisten Firmen auf Grund mittlerweile überholter Systeme wiederum erneuert werden.

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