Gold Finger

vom 08.01.2003

Goldfonds eignen sich zur Diversifizierung von Portfolios.

Die niedrige Korrelation der Goldpreisentwicklung, und mit ihr auch der Goldminenaktien im Verhältnis zur allgemeinen Asset-Klasse der Aktien, lässt sie im Rahmen der Risikostreuung innerhalb eines Wertpapierdepots so interessant erscheinen. Mancher Experte geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von einer "goldenen Absicherung der Aktien".

Verschiedene Instrumente bieten sich für ein Goldinvestment an. Physisches Gold kaufen (Barren, Münzen), Indexzertifikate, Optionsscheine, Goldminenaktien oder Fonds, die unterschiedliche Strategien unter dem Titel "Gold" verfolgen. Wir empfehlen einen breit streuenden "Goldfonds", der sich nicht ausschliesslich den Goldminen verschreibt, auch wenn diese über den Hebeleffekt in den letzten Monaten die grössten Wertsteigerungen verzeichnen konnten, sondern neben den Produzenten auch der verarbeitenden Industrie, Distributeuren und Optionen Rechnung trägt. (Hebeleffekt: Steigt der Goldpreis um ein Prozent, klettern die Kurse der Goldminenaktien um drei bis sechs Prozent, der Umkehrschluss gilt analog. Während der Goldpreis in den letzten drei Jahren nur um etwa 9% stieg, konnten die reinrassigen Goldminenfonds im selben Zeitraum im Schnitt um 70% zulegen.)

Nach den Kursentwicklungen der letzten Jahre drängt sich nun die Frage auf, in wie weit ein antizyklisch denkender Investor jetzt noch auf den Trend aufspringen sollte. Um dieser Frage nachzugehen blicken wir auf die von Marktkennern getätigten Prognosen, die den Goldpreis mittelfristig bei 350-380 US-Dollar je Feinunze sehen, langfristig sogar schon von 400-600 US-Dollar "träumen". Zur Untermauerung ihrer Erwartungen führen sie immer wieder zwei Argumente an: Zum einen die Charakteristik des Goldes als "Sicherer Hafen" und "Kriseninvestment", zum anderen die Charttechnik.

Sicherer Hafen: Der Fluchtwährungsaspekt des Goldes ist unbestritten. Allerdings unterscheiden sich die Interpretationen und Begründungen. In diesem Zusammenhang kristallisieren sich aktuell zwei Meinungsblöcke heraus.

Die Vertreter des ersten zielen auf die politischen Krisen ab: 11. September, Terrorangst, Politblockaden, wachsende Kriegsgefahr im Irak, Atomkonflikt in Nordkorea etc.

Die Gegenseite hält Krieg aufgrund der damit verbundenen Vermögensverluste hinsichtlich des Goldpreis eher für kontraproduktiv und sieht den Grund für eine weiterhin steigende Goldnachfrage eher in der Angst der Menschen um ihre persönlichen Vermögen begründet. Auslöser dieser Sorge um den eigenen Besitz sei das schwindende Vertrauen der Anleger in die Konjuktur im Allgemeinen und Banken und Versicherungen im Speziellen. Beispielhaft werden hier u.a. Pleitewellen, Börsenkrach und Kürzungen der Überschussbeteiligungen von Lebensversicherungen angeführt.

Die "goldenen Pessimisten" komprimieren den Aspekt des "sicheren Hafens" schon heute in einem Satz, der da sinngemäss lautet: "In Zukunft wird es weniger darum gehen, ein Vermögen zu machen, sondern vielmehr darum, ein bestehendes Vermögen zu erhalten". In diesem Zusammenhang wird gerne auf Japan verwiesen, wo die Banken unlängst die Garantie für Kundeneinlagen auf umgerechnet 50.000 Euro gesenkt haben. Müssten die japanischen Banken Konkurs anmelden, wären Beträge oberhalb der genannten Grenze also verloren.

Charttechnisch gesehen wollen Analysten ein interessantes Signal ausgemacht haben: Eine bei 330 US-Dollar liegende wichtige Widerstandslinie des Goldpreises wurde kürzlich überwunden. Dieses Ereignis könnte nun vermehrt institutionelle Investoren auf den Plan rufen, und in Erwartung weiteren Kurspotentials zum Einstieg verleiten.

Ausblick: Weltweit sind nur etwa 0,5 Prozent der Vermögen in der Asset-Klasse Gold investiert. Sollte es also vor dem Hintergrund weiterer Krisenszenarien zu einer Modifizierung der Anlagestrategien kommen, an deren Ende eine Gewichtung von einem Prozent stände, würde diese Verdoppelung ein Kursfeuerwerk des Goldpreises in positiver Hinsicht auslösen. Zudem nutzen die Goldminengesellschaften ihre aktuelle Gewinnsituation zu Umstrukturierungen. Immer mehr Minen führen kontinuierliche Kostensenkungen durch und verkaufen immer geringere Teile der Produktion auf Termin. In Folge dieser Massnahme, keine oder zumindest weniger Festpreise für die künftige Produktion zu vereinbaren, partizipieren die Unternehmen an der aktuellen Entwicklung somit proportional.

Nach unten ist das Verlustpotential relativ begrenzt. Diese Einschätzung beruht zum einen auf dem Verzicht der Minengesellschaften, wie beschrieben, zukünftige Fördermengen über vorzeitigen Verkauf abzusichern, zum anderen auf den Abkommen seitens der Notenbanken, die Goldverkäufe zu dosieren und zu begrenzen. Zudem ist nicht davon auszugehen, dass sich die von Krisen vernebelte "Grosswetterlage" mit einem Schlag aufhellt.

Fazit: Wir halten Goldfonds als Depotbeimischung bis zu 5% des Portfolios für empfehlenswert. Wer breiter streuen möchte, kann diesen Schritt auch über allgemeine Rohstofffonds tätigen, die in Gold übergewichtet sind, aber auch andere Edelmetalle wie z.B. Platin berücksichtigen. Jeder Anleger sollte sich dabei der Tatsache bewusst sein, das der Konzentrationsprozess unter den Minengesellschaften, auf dessen Konto in den vergangenen beiden Jahren ein grosser Teil der Outperformance der Goldfonds ging, seinen vorläufigen Höhepunkt überschritten hat und die nächsten Gewinne eher aus einem steigenden Goldpreis erfolgen müssen. Hierfür stehen die Chancen jedoch nicht schlecht.

Wertsicherung des Vermögens kann, bzw. muss jedoch auch über den Zukauf werthaltiger Aktien-Fonds in die Depots erfolgen. Gold eignet sich wie erklärt zur Diversifizierung, nicht aber zur Konzentration.

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