Wie reagieren Sie jetzt richtig?

vom 27.09.2002

Eine Frage der Strategie!

Nach einer Verschnaufpause im August setzten sich im September die Kursverluste an den Aktienmärkten fort. Verständlicherweise verunsichert das die Anleger. Wie tief kann es denn jetzt noch gehen? Ist es nicht besser, jetzt noch alle Aktieninvestments zu verkaufen, auch wenn das bedeutet, dass Buchverluste realisiert werden müssen? Oder sollte man umgekehrt die niedrigen Kurse für Käufe nutzen?

Fragen, die sich nicht pauschal beantworten lassen, sondern von Anlagehorizont und Risikoneigung des Anlegers abhängen. In der Regel sollten Aktienfonds als "strategisches Investment" gesehen werden, also langfristig. Das gilt unabhängig von der Spezialiserung des Fonds. Weltweit anlegende Aktienfonds können ein strategisches Basisinvestment sein, Biotech-Fonds eine strategische Depotbeimischung. Allerdings sollte es sich grundsätzlich um aktiv und überdurchschnittlich gut gemanagte Fonds handeln. Die taktische Umsetzung liegt in diesen Fällen dann beim Fondsmanager. Der Fonds selbst kann "ausgesessen" werden, wenn die persönliche Situation des Anlegers einen Verzicht auf das gebundene Kapital in den nächsten Jahren erlaubt.

Angesichts der Übertreibung der Aktienbörsen nach unten können solche strategischen Investments im Rahmen des Möglichen sogar aufgestockt werden – eine antizyklische, d.h. gegen die vorherrschende Richtung gerichtete Strategie. Sie erfordert aber Nervenstärke und Geduld. Weil Übertreibungen an den Aktienbörsen eher die Regel als die Ausnahme sind, darf die gegenwärtige Unterbewertung aber nicht zu der Erwartung führen, die Kurse würden sich jetzt binnen kurzer Zeit wieder verdoppeln.

Die jetzt u.E. vorliegende Unterbewertung der Aktien kann durchaus für viele Monate, sogar für Jahre Bestand haben. Wer also nicht die Zeit zum "Aussitzen" hat, sollte prozyklisch mit der vorherrschenden Trendrichtung handeln. In diesem Fall sollte zunächst eine Stabilisierung der Aktienkurse abgewartet werden. Solange die Abwärtstrends intakt sind, bleiben kurzfristige Spekulationen auf steigende Kurse sehr riskant.Strategisches Handeln orientiert sich grundsätzlich an der güterwirtschaftlichen Wirklichkeit, also fundamentalen Werten, die langfristig auch die Börsenbewertung bestimmen. Fundamental übertreiben die Börsen nach unten, denn sie preisen eine schwere Wirtschafts- oder Finanzkrise ein, die trotz aller volkswirtschaftlichen Ungleichgewichte und der Gefahr eines Krieges am Persischen Golf in dem Ausmaß unwahrscheinlich ist. Strategisch – und das gilt für langfristig ausgerichtete Investoren mit Geduld und Nerven - spricht das für antizyklische Käufe, also eine Aufstockung der Aktieninvestments.

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