Börsenüberblick
vom 02.08.2004Kommentar zum Marktgeschehen.
Fondsanleger sollten sich nicht vom Tagesgeschehen an den Börsen nervös machen lassen, sondern sich an den mittelfristigen Perspektiven orientieren.
Entscheidend sind nicht die Gewinne oder Verluste eines Tages oder einer Woche, sondern die Wertentwicklung in den nächsten Monaten oder Jahren. Wie also sehen die mittelfristigen Trends aus? Welche Ergebnisse sind auf Jahressicht zu erwarten? Welche Risiken drohen? Und welche Fonds sollten gewählt werden?
Zinsen und Geldmarktfonds: Die Zinsen sind niedrig. Das gilt ganz besonders für die kurzfristigen Zinsen am sogenannten „Geldmarkt“. Diese kurzfristigen Zinsen bilden sich zwar auch durch Angebot und Nachfrage, werden dabei aber stark von den jeweiligen Notenbanken beeinflusst.
Die staatlichen Notenbanken stellen den Geschäftsbanken sogenanntes Zentralbankgeld zur Verfügung und berechnen dafür Zinsen. In den USA heißt die Notenbank „Federal Reserve Bank“, kurz „Fed“, in der Eurozone Europäische Zentralbank, kurz EZB. Aufgrund ihrer wegweisenden Funktion werden deren Zinssätze „Leitzinsen“ genannt.
Geldmarktfonds operieren in diesen Märkten. Dabei bestehen keine Kursrisiken, aber die erzielbaren Renditen sind niedrig. In den letzten zwölf Monaten waren in Europa kaum zwei Prozent erreichbar. Das dürfte sich in den nächsten zwölf Monaten kaum ändern. Wer in Geldmarktfonds für andere Währungen als den Euro investiert, geht damit Währungsrisiken ein – nur vertretbar, wenn bewusst auf eine Aufwertung der jeweiligen Währung spekuliert werden soll. Dies war im letzten Jahr erfolgreich beim britischen Pfund und dem japanischen Yen möglich, aber ein Verlustgeschäft bei US-Dollar-Geldmarktfonds. In der ersten Hälfte dieses Jahres stieg der Euro auch gegen Yen, kanadischen und australischen Dollar.
Trotz aller strukturellen Schwächen bleibt der Euro im internationalen Vergleich eine Hartwährung und eine „Spekulation“ gegen den Euro bleibt eine „Spekulation“!
Anleihen und Rentenfonds: Rentenfonds investieren bekanntlich in börsennotierte Anleihen. Während des Niedergangs der Aktienkurse in den Jahren 2000 bis Anfang 2003 erwiesen sich Rentenfonds als gutes Investment, zumindest Fonds mit Schwerpunkt europäischer Staatsanleihen. Im Kalenderjahr 2002 erzielten europäische Rentenfonds durchschnittlich Ergebnisse um sieben Prozent! Denn die Kurse der Anleihen profitierten vom Zinsrückgang.
Höhere Risiken wurden allerdings selten mit besseren Ergebnissen belohnt: Fonds für Hochzinsanleihen erlitten häufig Kursrückschläge. Und Renteninvestments außerhalb des Euro-Raumes bescherten Anlegern meist Währungsverluste.
Seit einigen Monaten ist nun die Unterstützung durch fallende Leitzinsen weggefallen – im Gegenteil: Die meisten Notenbanken haben die Zinswende bereits vollzogen. Die Zinsen steigen wieder. Steigende Renditen bedeuten für festverzinsliche Wertpapiere zwangsläufig fallende Kurse, denn der feststehende Zins wird weniger attraktiv.
Im zweiten Quartal sanken die Anleihekurse stärker als in jedem Quartal der letzten zwanzig Jahre! Die Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen lag zuletzt bei 4,28 Prozent. Der Abstand zur entsprechenden US-Rendite ist kleiner geworden, denn US-Bonds rentierten zuletzt mit rund 4,35 Prozent. In den USA wurde zwar eine Reihe von schwachen Konjunkturdaten veröffentlicht, darunter ein Rückgang bei den Einzelhandelsumsätzen. Insgesamt sprechen aber die Entwicklung am Arbeitsmarkt, bei den verfügbaren Einkommen sowie beim Verbrauchervertrauen für eine tragfähige US-Konjunktur, ja sogar für Inflationsgefahren im zweiten Halbjahr, so dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen weiter erhöhen dürfte.
Auf Jahressicht ist vor diesem Hintergrund zwar nicht mit einem Renten-Crash wie vor zehn Jahren zu rechnen, aber auch nicht mehr mit den Renditen der vergangenen Jahre.
Aktienfonds: Nach einer rund einjährigen Kurserholung von März 2003 bis ins erste Quartal diesen Jahres sind nahezu alle Aktienmärkte seit Monaten in einer anhaltenden Seitwärtsbewegung. Ein Ende dieser Pendelbewegung ist noch nicht erkennbar.
Der bekannte US-amerikanische Dow Jones Index stand zur Jahresmitte bei 10.435,5 Punkten 0,2 Prozent unter dem Wert Ende 2003.
Der Stoxx-50-Index für 50 westeuropäische Standardwerte stieg im ersten Halbjahr um 1,0 Prozent auf 2.687,7. Dank der Zuwächse in den ersten Wochen des Jahres errechnet sich beim Euro-Stoxx-50 ein Plus von 1,8 Prozent auf 2.811,1 Punkte und beim DAX ein Anstieg um 2,2 Prozent auf 4.052,7 Punkte.
Besser schnitt man mit deutschen Nebenwerten und japanischen Aktien ab: Der MDAX stieg im ersten Halbjahr um 14,4 Prozent auf 5.110,9 Punkte und der Nikkei-Index um 11,1 Prozent auf 11.858,9 Zähler. Entsprechende Fonds, also für deutsche (Value-) Nebenwerte einerseits und japanische Aktien andererseits, bleiben eine attraktive Ergänzung für größere Depots. Basisinvestments bleiben aber global und überwiegend in Europa investierende Aktienfonds.
Die europäischen Wirtschaftsdaten lassen weiterhin auf eine moderate Konjunkturerholung schließen. So legte im Mai die Produktion im verarbeitenden Gewerbe in Frankreich um 0,5 Prozent gegenüber Mai 2003 zu. In Italien konnte die Industrieproduktion im Mai trotz Streiks das hohe Niveau von April halten.
Schlechter blieben die Konjunkturdaten aus Deutschland. Die Einzelhandelsumsätze für Mai mussten nach unten revidiert werden. Deutschland sollte aber als führende europäische Exportnation von der noch guten Weltkonjunktur profitieren. Gemessen an dem Gewinnwachstum der Unternehmen bleiben gerade deutsche Aktien unterbewertet.
Zahlreiche Sorgen der Börsianer verhindern (noch?) einen Kursanstieg. Neben der Terrorgefahr wird dabei auch auf die Leitzinserhöhung in den USA verwiesen (siehe „Stichwort: Aktienmärkte nach FED-Leitzinserhöhung“).
Gänzlich unbegründet sind manche der Bedenken nicht, so dass risikoscheue Anleger weiterhin auf „Value“-Fonds setzen sollten, deren Fondsmanager in werthaltige und substanzstarke Aktien investieren. Insgesamt erscheint das Chance / Risiko – Verhältnis von Aktienfonds weiterhin gut.
Spezialisierte Aktienfonds: Rohstoff- und Energiefonds bleiben eine sinnvolle Depotbeimischung. Unternehmen dieser Branchen dürften auch im Fall einer weniger günstiger Entwicklung besser abschneiden, beispielsweise einer Rückkehr höherer Inflation. Noch stärker den Charakter eines „Krisengewinnlers“ hat das Gold. Goldminenfonds weisen die geringste Korrelation zu den globalen Aktientrends auf und eignen sich deshalb gut zur Risikostreuung.
Höhere Verluste erlitten zeitweise auf HighTech-Branchen und einzelne Schwellenländer spezialisierte Aktienfonds. Sie kommen bestenfalls als spekulative Depotbeimischung in Frage. Die Veröffentlichungen der großen HighTech-Konzerne lösten unlängst Kursverluste aus: Vor allem der schlechtere Ausblick von Intel und Nokia drückte die Kurse von Technologie-Aktien:
An der Nasdaq-Börse fielen die Kurse in einer Woche um mehr als drei Prozent. Auch in Deutschland führten Technologie-Unternehmen die Verliererliste an. Der TecDAX näherte sich wieder der Marke von 500 Punkten. In Asien gehörte die HighTech-lastige Börse Taiwan mit einem Wochenverlust von 4,8 Prozent auf 5.500 Punkte zu den größten Verlierern.
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