Börsenüberblick
vom 01.07.2004Kommentar zum Marktgeschehen.
Wer den Überblick behält, wird erkennen, dass Aktienfonds zu den aussichtsreichsten Anlagemöglichkeiten für die nächsten Monate und Jahre gehören. An den Börsen herrscht viel Sorge vor möglichen Gefahren und Problemen. Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte sind Ängste vor Terrorismus, Wirtschaftskrisen und dem steigenden Ölpreis.
Bis vor wenigen Wochen war es auch das Thema „Deflation“ und die Sorge davor, dass der Wirtschaftsaufschwung nicht zu neuen Arbeitsplätzen führe. Das mag in Deutschland mit seinen verkrusteten Strukturen gelten. Für andere Länder gilt dies nicht: In den USA sind seit Beginn dieses Jahres über 1.200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Überall werden die Prognosen für dieses Jahr nach oben angehoben. Die Weltwirtschaft läuft.
Schon in diesem Jahr dürfte der Höhepunkt dieses Konjunkturzyklus erreicht werden. Auch die Gewinne der Unternehmen steigen stärker als erwartet. Außerdem sind die Zinsen noch niedrig und die Geldmengen wachsen. Diese wirtschaftlichen Rahmendaten müssten eigentlich zu höheren Aktienkursen führen. Auch aus Sicht der markttechnischen Analysen ist es gut vorstellbar, dass sich der im März 2003 begonnene Kursanstieg nach der jetzigen „Verschnaufpause“ schon in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt.
Das Ergebnis unserer Analysen lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Die Stimmung ist schlechter als die Lage.“ Rückblickend waren solche Phasen gute Zeiten, um Aktienfonds zu kaufen. Denn wenn die Stimmung besser wird, sind die Kurse bereits gestiegen.
Die nüchterne Analyse kann bestimmte Probleme nicht leugnen. Insbesondere die hohe Verschuldung, das US-Handelsbilanzdefizit und die Inflationsgefahren wegen steigender Rohstoffpreise. Im Endergebnis spricht dies aber nicht gegen Aktieninvestments, sondern eher gegen den US-Dollar und gegen verzinsliche Anlagen.
Zinsen und Rentenfonds: Die britische Notenbank erhöhte ihren Leitzins, den „Repo-Satz“, am 10. Juni um 0,25 Prozentpunkte auf jetzt 4,50 Prozent. Damit reagiert die Bank of England vor allem auf den anhaltenden Immobilien-Boom. Die zehnjährigen Renditen britischer Staatsanleihen sind auf gut 5,2 Prozent gestiegen, die entsprechende US-Rendite auf 4,8 Prozent.
Für Ende Juni wird auch von der US-Notenbank eine Leitzinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte erwartet. Allerdings wäre die sogenannte „Fed Funds Rate“ dann erst bei 1,25 Prozent. Weitere Leitzinserhöhungen gelten als ausgemachte Sache. Die US-Notenbank verteidigte sich gegen den Vorwurf, sie hinke mit ihren Zinserhöhungen der Entwicklung hinterher. Die Inflation sei unter Kontrolle. Als neutralen Leitzins für das Ende des Zinszyklus wurde die Größenordnung von 2,5 bis 3,5 Prozent genannt. Auch FED-Chef Alan Greenspan persönlich erklärte, dass Inflation „kein Kernproblem“ sei.
Die Börsen haben die erwarteten Leitzinserhöhungen bereits „eingepreist“. Die Kurse deutscher Anleihen schwankten nur wenig. Nach zwei Verlustwochen erholte sich der liquideste Terminkontrakt für europäische Anleihen, der „Bund-Future“, auf 112,7 Prozentpunkte. Die Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen sank auf 4,4 Prozent, die Umlaufrendite auf 4,0 Prozent.
Öl und Rohstoffe: Die Verabschiedung der UN-Sicherheitsrats-Resolution zur irakischen Souveränität wirkte trotz einer nicht enden wollenden Reihe von Anschlägen im Irak entspannend auf die Einschätzung der geopolitischen Lage.
Nach mehreren Anschlägen auf Pipelines ist der zaghaft anlaufende Ölexport des Iraks zwar schon wieder zum Erliegen gekommen. Am Ölmarkt nahm die Nervosität trotzdem ab. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent pendelte sich zuletzt bei gut 35 Dollar ein und der Terminpreis für ein Barrel Light Crude bei gut 38 Dollar.
Der Goldpreis zeigte sich recht stabil und lag zuletzt bei 395 Dollar pro Unze, Silber setzte seine Erholung nach dem Kurseinbruch auf zuletzt knapp 6 Dollar pro Unze fort. Der CRB-Rohstoff-Future liegt bei rund 270 Dollar. Eine weiter wachsende Weltwirtschaft wird die Rohstoffpreise zumindest stabilisieren, wenn nicht sogar weiter steigen lassen. Die Umsetzung mittels Aktieninvestments ist allerdings nicht leicht, und sollte guten, darauf spezialisierten Fondsmanagern überlassen werden. Die Aktienkurse von Öl-Gesellschaften beispielsweise haben trotz der gewinnsteigernden Wirkung höherer Ölpreise bislang nur unterproportional reagiert. Hier wird offenbar ein mittelfristiger Preisrückgang unter 30 Dollar pro Barrel eingepreist. Umgekehrt sind bei den meisten Goldminenaktien noch höhere Goldnotierungen eingepreist, was das Management entsprechender Fonds gegenwärtig erschwert.
Emerging Market Update: Pazifik: Asien und Australien
Sehr differenziert zeigten sich in den vergangenen Wochen die asiatischen Börsen. Der japanische Nikkei-225 befindet sich wie alle großen Aktienmärkte in einer Seitwärtsbewegung. Schwächer zeigte sich zuletzt der MSCI-Asien, der wieder unter 300 fiel. Überproportionale Verluste erlitten zuletzt die chinesischen Aktienmärkte: Hongkong verlor nach einer zunächst guten Entwicklung ab Mitte Mai in einer Woche 4,4 Prozent auf 11.856 Punkte, der Taiwan Weighted Index scheiterte wieder an der Marke von 6.000 Punkten und fiel auf 5.569. Noch stärker war der Kursrückgang im „rot-chinesischen“ Shenzhen mit einem Wochenverlust von 7,4 Prozent auf 235,3 Punkte. Ganz anders der australische Aktienmarkt: Der All-Ordinaries-Index beendete die vergangene Woche auf einem neuen Hoch bei 3.523 Punkten! Australien-Fonds, die im Hinblick auf den Rohstoffreichtum des Landes empfohlen worden waren, bleiben attraktiv. Wer jetzt in der pazifischen Region einsteigen möchte, sollte sich aber auch Asien-Fonds ansehen.
Stichwort „Euribor“
Vor der Einführung des Euro nahmen viele Regelungen zur Höhe von Zinsen oder Renditezielen in Deutschland Bezug auf den Diskontsatz der Deutschen Bundesbank. Der Gesetzgeber sieht jetzt als Ersatz einen von der Europäischen Zentralbank veröffentlichten „Basiszinssatz“ vor. Am Markt ist aber immer häufiger vom „Euribor“ die Rede. Dieser Zinssatz gilt beispielsweise als Messlatte für den Erfolg von Investmentfonds, insbesondere dann, wenn eine erfolgsabhängige „performance fee“ (Vergütung) erhoben wird. Was verbirgt sich also hinter dem „Euribor“?
„Euribor“ ist der aus „Euro Interbank Offered Rate“ zusammengesetzte Name der Zinsen am Euro-Geldmarkt. Er wird aus Angebot und Nachfrage von Geschäftsbanken in der Eurozone für unterjährige Laufzeiten ermittelt. Mit der Euro-Einführung entstand in der Eurozone ein einheitlicher Geldmarkt, auf dem Banken untereinander Euro-Notenbankgeld und Euro-Geldmarktpapiere (beispielsweise sogenannte „Commercial Papers“) handeln, in erster Linie zum Ausgleich ihres Liquiditätsbedarfs. Die Höhe der durch Angebot und Nachfrage täglich schwankenden Geldmarktzinssätze wird stark beeinflusst durch das Verhalten der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Zinssatz für einen Monat lag beispielsweise am 4. Juni bei 2,06 Prozent p.a., für 3-Monatstermingelder bei 2,09 Prozent („3-Monats-Euribor“) und für 6 Monate bei 2,14 Prozent p.a. Der „Euribor“ hat die vor der Euro-Einführung üblichen nationalen Geldmarktzinssätze wie den „Fibor“ (Frankfurt Interbank Offered Rate) verdrängt.
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